Nach einem langen und ertragreichen Almsommer kehrten die geschmückten Kühe, Ziegen und Schafe von den saftigen Bergweiden ins Tal zurück. Der Almabtrieb – im Tiroler Dialekt auch „Viehscheid“ oder „Abtrieb“ genannt – war weit mehr als nur der Heimweg des Viehs: Er galt als Dankfest für einen unfallfreien Sommer auf der Alm.
Die Tiere trugen kunstvoll gefertigte Kopfschmucke aus Blumen, Zweigen und bunten Bändern. Dieses sogenannte „Aufkranzen“ war ein sichtbares Zeichen des Dankes und des Stolzes der Bauernfamilien. Denn nur wenn der Sommer ohne schwere Unglücke verlaufen war, wurden die Tiere so prächtig geschmückt ins Tal geführt.
Der Almabtrieb begeisterte nicht nur die Einheimischen, sondern zog auch viele Gäste aus Nah und Fern an. Er vermittelte ein Stück echter Tiroler Kultur und gab Einblick in das enge Zusammenspiel zwischen Natur, Landwirtschaft und gelebter Tradition.
Das farbenprächtige Schauspiel war einmal mehr ein lebendiges Kulturerbe, das Generationen verband und die Liebe zur Heimat widerspiegelte.
Bildquelle: Florian Ripfl
