Ferdinand II. und Seefeld

Die imposante Stiege zur Blutkapelle in der Pfarrkirche (Foto: Kulturring).

Anlässlich der Jubiläumsausstellung im Schloss Ambras „Ferdinand II, 450 Jahre Tiroler Landesfürst“ vom 15. Juni bis zum 8. Oktober 2017 hat sich der Kulturring mit der Bedeutung Ferdinands für Seefeld auseinandergesetzt. Die Vorgeschichte ist das „Blutwunder“, das sich der Legende nach 1384 rund um Oswald Milser ereignet haben soll. Kirchen- und Klosterbau waren die Folge. Doch die Zeiten nach dem Tode Maximilians 1519 waren nicht immer günstig. Auch Seefeld litt unter der Unruhe im geistigen wie wirtschaftlichen Bereich: Martin Luther – Beginn der Reformation, Bauernaufstände, Michael Gaismair, Wiedertäufer, Schmalkaldner Krieg, Moritz von Sachsen sind einige Schlagwörter. Doch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fand die Seefelder Kirche einen neuen Gönner in der Person des Landesfürsten Erzherzog Ferdinand II. Der Habsburger Erzherzog wurde 1567 in Innsbruck von der Bevölkerung als ihr Landesfürst empfangen. Ferdinand II. war gegenüber kirchlichen Dingen äußerst aufgeschlossen und eine Möglichkeit, dies zu äußern, sah er in der Belebung der Wallfahrten. Zu dieser Zeit nahm Seefeld unter allen Wallfahrtsorten Tirols den ersten Rang ein. So ist es nicht verwunderlich, dass sich der Erzherzog der Seefelder Kirche besonders zuwandte und das Ansehen des berühmten Gotteshauses fördern wollte. So wurde z.B. der Papst gebeten, dem Pfarrer des Ortes eine auszeichnende, erweiterte Absolutionsgewalt zu verleihen. Um den Ruf der Kirche noch stärker zu verbreiten, ließ Ferdinand die Geschichte von Oswald Milser niederschreiben und 1580 in Dillingen drucken. Dieses Büchlein fand recht weite Verbreitung und hat so sicherlich die Wallfahrt in starkem Maße gefördert. Als besonderer Ausdruck der Eucharistieverehrung muss der Bau der Heilig-Blut-Kapelle angesehen werden. Sein Hofbaumeister, Albert Luchese, erbaute sie im Jahre 1574. Am 20. Juli 1576 wurde die Wunderhostie, die sich bis dahin in der Turmkapelle befand, in die neue Kapelle über der Sakristei übertragen. Ferdinand kümmerte sich außerordentlich um die Seefelder Wallfahrt, so dass er auch Verfügungen über den Pfarrhof, den Mesnerdienst, über Kirchenfenster und Sakristei, über die Ornate und Kleinodien, über die Aufbewahrung des Sakramentes und das Vorzeigen des Heiligen Blutes traf. Besonderes Aufsehen erreichte auch sein Wallfahren, wie z.B. 1583, als er mit 2 000 Menschen zu Fuß von Innsbruck nach Seefeld pilgerte. Dieses Vorbild blieb nicht ohne Wirkung. In manchen Jahren wurden bis zu 12 000 Hostien ausgeteilt. 19 rote und weiße Marmorstufen führen zur Blutskapelle empor. Da wurde noch im 20. Jahrhundert der Brauch des „Stiegenbetens“ ausgeübt. Bei den roten Stufen wurde ein „Vater unser“ und bei den weißen ein „Gegrüßt seist du, Maria“ gebetet. Doch die einfache und vornehme Renaissance-Ausstattung der Blutskapelle genügte dem Empfinden der Barockzeit nicht mehr. Kaiser Karl VI. ließ um 1724 die Kapelle mit Deckengemälden und reichem Stuck ausstatten. Auch in unserer Zeit werden in der Heilig-Blut-Kapelle von Ferdinand II. regelmäßig Messen gelesen und Andachten abgehalten.