„Finanzschlüssel der WM wird halten!“

SPÖ-Chef Georg Dornauer jun. im Gespräch mit der Plateauzeitung (Foto: Rangger)

Ende November wurde der Sellrainer Bürgermeister Georg Dornauer jun. zum neuen SPÖ-Landesparteichef gewählt. Aus aktuellem Anlass hat PZ-Redakteur Bernhard Rangger ihn daher im Rahmen unserer Interviewserie „Nordische WM 2019“ zu einem Gespräch eingeladen.
Zur Person
GD: Ich bin 36, ledig und habe das Studium der Politikwissenschaft mit dem Doktorat abgeschlossen. In meiner spärlichen Freizeit gehe ich am liebsten in die Natur, insbesondere auf die Jagd in Sellrain. Ich liebe die Musik und hab als Musiker einen Teil meines Studiums finanziert. Sportlich wäre Tennis meine Passion. Die fällt derzeit aber der politischen Arbeit zum Opfer, da ich gleichzeitig Bürgermeister von Sellrain und Parteivorsitzender der SPÖ Tirol bin.
Zur Region
GD: Das Seefelder Plateau ist ein wunderschönes Juwel, auf das man im Ausland ständig angesprochen wird. Auch ich genieße in Seefeld gerne die Sonne, die geschäftige Fußgängerzone oder die romantische Wildmoosalm. Trotz unterschiedlicher politischer Ausrichtung muss ich vor allem Bgm. Werner Frießer hervorheben, der mit soviel Elan die Nordische WM nach Seefeld geholt und die vielen Baustellen vorangetrieben hat. Es braucht so einen Motor, der um sich ein Team schart und so eine Veranstaltung zum Erfolg führt, dem ich ihm von Herzen gönne.
Mobilität
GD: Ich habe gerade am letzten Wochenende die Schneemassen und die überschaubare Parkplatzsitutaion in Seefeld erlebt und weiß daher, wie wichtig für eine touristische Region eine exzellente Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist. Deshalb war der Ausbau des Seefelder Bahnhofs dringend nötig, denn so können die Langläufer und Skifaher aus der Stadt problemlos mit dem Zug nach Seefeld fahren und dort zu Fuß oder oder mit Shuttlebussen zu den Sportstätten gelangen. Mir fällt in diesem Zusammenhang auch das aktuelle Luxemburger Modell ein, wo alle Öffis kostenlos verkehren. Auch über solche Maßnahmen sollte man in Tirol nachdenken, denn nur wenn die Leute die Angebote wahrnehmen, machen diese auch einen Sinn.
Umfahrung Reith
GD: Ich habe vollstes Verständnis für lärmgeplagte Anrainer und unterstützte daher sowohl die Bevölkerung von Krinz, die sich um Lärmschutzmaßnahmen bemüht, wie auch die Bürger von Leithen, denen im Regierungsübereinkommen eine Umfahrung in Aussicht gestellt wurde.
Tourismusstrategie
GD: Verkehrslärm und Staus sind unter anderem Faktoren, die dazu führen, dass eine der tragenden Wirtschaftssäulen des Landes Tirol, der Tourismus, von ganzen Bevölkerungsschichten nicht mehr als positiv empfunden wird. Das hat die Olympiabefragung deutlich aufgezeigt. Da wir aber nicht einfach die Stopptaste drücken und Skigebietserschließungen oder -zusammenschlüsse kategorisch ablehnen wollen, muss sich die Tourismusbranche und die Politik weiterentwickeln. Unsere Partei will dafür die politischen Vorgaben definieren und das nötige Geld in die Hand nehmen.
Arbeit im Tourismus
GD: Aus meiner Zeit als Musiker weiß ich, dass im Tourimus Flexibilität gefordert ist. Wir Sozialdemokraten hätten die Flexibilisierung der Arbeitszeiten zwar anders gelöst als die türkis-blaue Regierung, es ist mir aber klar, dass man mit einem 8-Stunden-Tag in dieser Branche nicht auskommt. Ziel muss es sein, Tiroler und Tirolerinnen zu finden, die sich für Jobs in Gastronomie und Hotelerie interessieren oder die Skilehrer oder Bergführer werden wollen, damit Einheimische den Gästen unser Land erklären und näher bringen.
Energie
GD: Seefeld mit seinem Trinkwasserkraftwerk in Gießenbach und der Verstromungsanlage bei der Ortswärme ist für mich ein gutes Beispiel, wie wir in Tirol die Klimaziele 2050 erreichen könnten. Vor 13 Jahren haben wir in Sellrain ein Kraftwerksprojekt eingereicht und es gibt bis heute keine Entscheidung. Mir fehlen da bei der rot-grünen Landesregierung die Visionen, um die ernergiepolitischen Weichen zu stellen. Das Land muss Initiativen aktiv unterstützen und auch Know-How zur Verfügung stellen.
Kinderbetreuung
GD: Ähnlich wie die Gemeinden am Seefelder Plateau kämpfe auch ich in Sellrain damit, dass die Kosten für die Kinderbetreuung explodiert sind und da muss sicher auch von Landesseite nachgedacht werden, wie man die Finanzierung für diese wichtige Aufgabe sicherstellt. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass es im ländlichen Raum unumgänglich ist, eine ganzjährige, umfassende Betreuung der Kinder sicherzustellen. Es würde zu einer Überalterung der Bevölkerung führen, wenn wir dieses Grundbedürfnis der jungen Leute in einer Region nicht sichern.
Strukturreform
GD: Das ist für mich eines der Hauptthemen in der Landespolitik, denn wir haben in Tirol nur überschaubare Flächen und auch finanziell lassen sich durch Zusammenarbeit viele Mittel einsparen. Ich spreche da nicht nur von Verwaltungsgemeinschaften oder gemeinsamen Bau- oder Recyclinghöfen. Man kann auch Kinderbetreuung, Wohnungsmarkt oder Gewerbezonen regionsübergreifend organisieren. Für solche Projekte möchte ich mich in Zukunft stark machen.
FIS Nordische WM
GD: Ich freue mich mit der gesamten Region auf dieses Großereignis und habe vor, bei mehreren Veranstaltungen persönlich dabei zu sein. Auch mit meinem Freund Hans-Peter Doskozil, der als Minister an den WM-Bauten mitgewirkt hat, hab ich vereinbart, dass wir uns einen Bewerb gemeinsam ansehen. In finanzieller Hinsicht weiß ich, dass es im Vorfeld Schwierigkeiten mit den Bundesmitteln gab. Da sich Seefeld so sehr um eine perfekte Organisation dieses Großereignisses bemüht hat, bin ich mir sicher, dass der vereinbarte Finanzierungsschlüssel auch bei den Wiederherstellungsarbeiten nach der WM hält und Bund und Land ihren Beitrag leisten. Als SPÖ-Vorsitzender werde ich diese Meinung auch im Land und über die Parteigrenzen hinweg vertreten.