Reith: Mitfahrbank feierlich eröffnet

Carmen Brucic und Martina Lechner bei der Bank-Einweihung (Foto: Gohm).

Wird die Gemeinde Reith zu einem Vorreiter in Sachen Mobilität? Orangefarbene Mitfahrbänke haben dort „ihren Betrieb aufgenommen“. Unterstützt von der Kulturabteilung des Landes Tirol (2016 Siegerprojekt bei „Kunst im Öffentlichen Raum“) und der Universität für angewandte Kunst in Wien hat man eine alte Tradition aufleben lassen. Denn früher war es selbstverständlich, Nachbarn oder Bekannte, die kein Auto hatten, einfach mitzunehmen.  „Das Auto wird als ein Ort der Begegnung wieder entdeckt. “, so die Initiatorin der Aktion, Carmen Brucic. „Wo Begegnung stattfinden darf, passiert Integration.“ In Deutschland gibt es die Mitfahrbänke schon seit längerem. Vor allem in ländlichen Gebieten und dort, wo es keine Bahn gibt und der öffentliche Verkehr nicht allzu dicht ist. Denn wer auf dem Land wohnt und kein Auto hat, hat große Mobilitätsprobleme. Inzwischen hat es sich aber in einigen Dörfern herumgesprochen: Wer auf einer der orangen Mitfahrbänken sitzt, signalisiert, dass er eine Mitfahrgelegenheit sucht. Jeder, der mit seinem Auto an einer solchen Bank vorbeikommt und sieht, dass dort jemand wartet, kann stehenbleiben und die- oder denjenigen mitnehmen. Was in Deutschland geht, könnte ja auch in Österreich funktionieren, dachte Reiths Vize-Bgm. Friedl Berger, als er von der Idee erfuhr. Seither unterstützt er die Initiative der Mobilitäterinnen. Mehr als 50 engagierte Freiwillige hat Brucic bisher um sich gesammelt, die ehrenamtlich mitwirken und das Projekt unterstützen, mit dabei auch Mobilitätslandesrätin Ingrid Felipe („ein gutes Projekt“) oder der „Herr Reindl“ vom ORF Tirol. Ursprünglich war in erster Linie daran gedacht, Flüchtlingen zu helfen, sie mobiler zu machen und damit auch besser zu integrieren. Inzwischen wurde die Idee ausgeweitet auf ältere und junge Menschen sowie sozial schwache Mitbewohner, die nicht mobil sind. Der Traum von Brucic ist, in etwa zwei Jahren ein flächendeckendes Netzwerk in Tirol aufzubauen, nach ersten Kontakten vielleicht  auch bald mit Seefeld, Leutasch oder Scharnitz. Neben den orangen Bänken, bietet man auch orange Schirme und Rucksäcke an, die alle signalisieren: Hallo, nimm mich bitte mit! Und auf der gemeinsamen Fahrt sollen Gespräche entstehen und es zu einem kulturellem Austausch kommen, wünscht sich Brucic. Das Interesse an den Mitfahrbänken ist jedenfalls groß. Schon zur Segnung durch Pater Bernhard in Auland kamen zahlreiche Interessierte und Neugierige, um zu sehen, was es mit den Bankerln auf sich hat. Über mobilitaeterinnen.org kann man außerdem seine Erfahrungen oder Vorschläge weitergeben. Persönliche Auskünfte erteilt die Leiterin der Flüchtlingsbetreuung in Reith, Martina Lechner (Tel. 0699 16340241).