Sachliche Bürgerversammlung

Bgm. Hiltpolt kämpft weiter um eine Umfahrung von Leithen (Foto: Rangger)

„Für mich ist Reith wie eine Aktiengesellschaft. Die Bürger sind die Aktionäre und es freut mich, dass ihr so zahlreich zur Vollversammlung erschienen seid.“ Mit diesen Worten eröffnete Bgm. Dominik Hiltpolt die heurige Gemeindeversammlung, die überaus sachlich verlief. Der Gemeindesaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Kritik an seinem mit anerkennendem Applaus belohnten Tätigkeitsbericht blieb aus. Der Gemeindechef errechnete beim Gemeindehaushalt mit rund 5,3 Mio Euro an Ein- und Ausgaben eine schwarze Null. Auch bei den wichtigsten Vorhaben wie beim Bau und der Asphaltierung des Möslwegs, des Linksabbiegers ins Gewerbegebiet und der Erneuerung der Bahnhofsstraße konnte man die Kostenschätzungen einhalten. Beim Glasfaserausbau nütze man Synergien mit TiNetz und Tigas, um Kosten zu sparen. Mit den ersten Hausanschlüssen sei Ende 2019 zu rechnen. Größtes bereits gestartetes Zukunftsvorhaben ist der Bau des 3,5 Mio. teuren Gemeindezentrums, wo man auf den anfangs geplanten großen Saal verzichtete. Durch das nachträglich beschlossene Schleifen der beiden oberen Stockwerke können nicht nur 150.000 Euro gespart, sondern auch die Funktionalität insbesondere im neuen Gemeindeamt und die Optik des ehemaligen Mauracherhauses optimiert werden, hofft Hiltpolt. Als Zukunftsprojekte bezeichnete der Ortschef den Ausbau des ehemaligen Gemeindeamts in ein Haus der Kinder, den Lärmschutz im Ortsteil Krinz und der Umfahrung von Leithen und Reith, für die Anfang 2019 eine Kosten-Nutzen-Analyse der vier Variantenstudien vorliegen werde. Am Ende der Gemeindeversammlung durfte Magdalena Heidegger Unterschriften für dieses Vorhaben sammeln, die man als Petition an den Tiroler Landtag einreichen werde. Das Amtshaftungsverfahren gegen die Gemeinde in Sachen Alpenkönig bezeichnete Hiltpolt als irrsinnig kompliziert: „Wir haben die Vorgänge amtsintern noch einmal genau überprüft und festgestellt, dass es zu keinen Verfehlungen durch die Gemeinde Reith gekommen ist. Weder die damals Verantwortlichen noch die Reither Bürger müssen sich Sorgen machen. Auch in den beiden von Ex-Bgm. Johannes Marthe angestrengten Verfahren wegen des Umbaus der Reitherjochalm und dem Verkauf eines Gemeindegrundstücks an einen Gemeinderat sehe ich dem Ausgang gelassen entgegen!“ Auch die Ausschussobleute Vbgm. Friedl Berger (Tourismus) und Maria Gapp (Landwirtschaft und Umwelt) kamen zu Wort. Gapp forderte eine höhere Wertschätzung der Landwirtschaft, mehr Klimaschutz und einen sorgsameren Umgang mit Wasser. Berger sprach die Verzögerungen bei der Seewaldloipe an: „Wegen der WM mussten in Seefeld so große Waldgebiete gerodet werden, dass unser Projekt an der Rodungsbewilligung und am Budget scheiterte. Wir hoffen, dass wir die Loipenverbindung nach Auland und eine Aussichtsplattform am Kaiserstand im kommenden Jahr bekommen!“ Bei der anschließenden Diskussion wurden auch eine Radweg-Überquerung beim Gewerbegebiet, ein öffentliches WC in Auland und ein Bekenntnis zur dörflichen Struktur von Reith gefordert. Beunruhigt zeigten sich die Bürger über die große Anzahl von Freizeitwohnsitzen und die drohende Schließung des Tvb-Büros in Reith. Zu den Anfragen betreffend Liftausbau am Gschwandtkopf bzw. Bau eines Verbindungslifts zur Rosshütte meinte Hiltpolt: „Liftbetrieber Wolfgang Schneider hat bereits erste Schritte für einen Lift nach Auland gesetzt. Raumordnerisch ist auch das Thema Liftzusammenschluss nicht vom Tisch. Es ist aber derzeit nur eine Vision, da ich vorerst keinen Investor für dieses Projekt kenne!“ Julia Babecic, Vanessa Lutz und Maria Sersuoch von der Schnitzschule Elbigenalp erhielten schließlich die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeit vorzustellen: drei Reliefs, mit denen die Legende vom Kampf zwischen Haymon und Thyrsus dargestellt wird. Die drei Tafeln sollen das Foyer des neuen Gemeindezentrums schmücken.