Salzbach wird zum neuen Schneedepot

Der Tourismusverband der Olympiaregion Seefeld hat bekanntlich ein großes Ziel vor Augen: Die beste Langlaufdestination der Welt zu werden. Mit dem bisher schlechten Winterwetter haben sie die erste Feuertaufe erfolgreich bestanden. Denn auch wenn Schneemangel herrschte, konnten Langläufer auf top-präparierten Loipen ihrer Leidenschaft nachgehen. Um für den nächsten Winter gerüstet zu sein, schafft sich der Verband nun ein Schneedepot bei Leutasch/Salzbach an, welches den Sommer über 10.000 m3 Kunstschnee speichern soll.

Die Bezeichnung „Winter“ hat die bisherige Saison eigentlich noch nicht verdient. Teils frühlingshafte Temperaturen erhitzten Gemüter vieler Wintersportler. In Seefeld aber durfte ein kühler Kopf bewahrt werden. Denn die getroffenen Vorbereitungen trugen Früchte: „Wir konnten bereits im November ein hervorragendes Loipennetz am Plateau schaffen“, erklärt Tourismusdirektor Markus Graf stolz. „Bis heute haben wir mehr als 10.000 Kubikmeter Kunstschnee aufgelegt.“ So konnten sieben Kilometer in Seefeld/Mösern sowie fünf Kilometer in Leutasch für Langläufer präpariert werden, zusätzlich zu dem eingeschränkten Loipennetz. In Anbetracht der schwierigen Bedingungen eine „großartige Leistung. Rund zwölf Bauhofmitarbeiter vom gesamten Plateau waren rund um die Uhr mit den Arbeiten beschäftigt.“
Größter Triumph war die Qualität der Loipe während des Weltcups in Seefeld. „Dort haben wir sehr viel positives Feedback zurück bekommen. Bei so einem Event natürlich eine große Ehre“, erklärte auch Bürgermeister Werner Frießer.

Nun plant Direktor Markus Graf schon weiter: „Wir wollen das sogenannte „snowfarming“ in der Olympiaregion betreiben. Das bedeutet, dass rund 10.000 m3 Kunstschnee ab sofort in Leutasch am Salzbachparkplatz produziert werden. Im Frühjahr isolieren wir das Depot mit einer halben Meter dicken Schicht aus Hackschnitzel. Dort lagert das weiße Gold den Sommer über.“

Auch wenn der Belag mit Hackschnitzeln sehr gut isoliert, wird ein wenig Verlust in Kauf genommen: „Wir werden dann pünktlich zum 31. Oktober 2014 auf etwa 8.000 m3 Schnee zurück greifen können.“ Vor allem bei den Nachtloipen und im Umfeld der Casino Arena wird eine präparierte Loipe schon im Herbst garantiert sein.

„Das könnte auch ein Anreiz für Frühbucher werden“, ist sich Cross Country Academy-Chef Martin Tauber sicher. Er war mit seinen Gästezahlen heuer mehr als zufrieden: „Es war bisher sensationell! Das warme Wetter hat uns sogar noch in die Hände gespielt, weil es für die Gäste schöner war zum Sport Treiben.“ Doch auch er weiß, das es künftig ohne künstlichen Schnee nicht mehr geht: „So wie auf den Skipisten wird auch im Langlaufsport der Kunstschnee die Zukunft bilden. Ohne den wird‘s nicht mehr gehen.“

Und was sagen die Langläufer, welche die Olympiaregion für ihr sportliches Treiben nutzen? „Ich bin sehr begeistert von den Loipen, da hier für jede Zielgruppe was geboten wird“, erklärt beispielsweise Werner Kandolf von der Bundessportakademie Innsbruck. „Egal ob jung oder alt, es ist für jeden was dabei.“ Laut ihm hat der Langläufer in Seefeld nichts mitbekommen vom enormen Schneemangel: „Die Pisten waren immer hervorragend präpariert.“ Allerdings haben es seiner Meinung nach die Loipenbetreiber oftmals zu gut gemeint: „Eine Anregung für die nächste Saison wäre, manche Streckenabschnitte zu sperren, die witterungsbedingt zu vereist sind.“

Von Seiten der Profis hört man ebenfalls nur Lobeshymnen über die gut überbrückte Winterflaute: „Mein Team und ich sind mit der Anlage sehr zufrieden“, so der Cheftrainer der kanadischen Biathlon-Nationalmannschaft Matthias Ahrens. Der gebürtige Bayer bereitete in Seefeld seine Mannschaft auf Olympia vor. „Ich schätzte die Qualität der Loipen schon zu meiner Bundeswehrzeit in Mittenwald. Heute freut es mich, dass ich dank der neuen Biathlonanlage nun auch mit der Mannschaft in Seefeld trainieren kann.“