Scharnitz reizt finanzielle Grenzen aus

Der Wiesenhof in Scharnitz soll auf 24 Betten ausgebaut werden (Foto: Archiv).

Trotz eines Kontokorrentkredits über 145.000 Euro hat sich die Atmosphäre zwischen Opposition und regierender Bürgerliste im Scharnitzer Gemeinderat gebessert. Bgm. Isabella Blaha gestand ein, dass sie wegen der Größenordnung der in Umsetzung befindlichen Projekte (Fußballplatz und Infozentrum) die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde überschätzt habe. Die Abstimmung über das Infozentrum endete in der Folge nicht mit 7:6 sondern mit einer 2:11-Mehrheit.
Überprüfungsausschuss-Obmann Thomas Lehner berichtete, dass er in zahlreichen Nachtstunden gemeinsam mit Gemeindekassier Christian Ihrenberger die vorliegenden Finanzzusagen in eine Exel-Tabelle eingearbeitet habe, um festzustellen, wann wieviel Geld für die beiden Großprojekte zur Verfügung stünde. „Mit diesem Finanzierungsplan können wir einen Liquiditätsengpass ausschließen. Zur Überbrückung braucht es aber den Kredit!“
Während Ing. Peter Reinpold Bedenken äußerte, dass auch der Kostenrahmen nicht halten könnte und am Ende die Gemeinde für die Überziehungen aufkommen müsse, stellte sich eine große Mehrheit des Gemeinderats hinter Blaha: „Wir sind auf einem guten Weg, müssen die neuen Zahlen allerdings penibel ins nächste Budget einarbeiten. Ich sehe es aber als Riesenchance, diese Bauten nach Scharnitz zu holen!“
Einstimmig genehmigt wurde ein Projekt des Wiesenhofs, den Gasthausbetrieb auf 24 Betten zu vergrößern. Auch die Vergabe der Spengler- und Abdichtarbeiten beim Infozentrum und die Rückführung der Rücklage von 50.000 Euro für die Sportplatzerrichtung erfolgte einstimmig.
Heftigere Debatten gab es wegen der Übergabevereinbarung der Landesstraße im Ortsgebiet nach der Eröffnung des Umfahrungstunnels an die Gemeinde. Mit den 675.000 Euro für den Fußballplatz sei auch die letztmalige Instandsetzung der Straße abgegolten worden, meinte Blaha. Da mehrere Gemeinderäte einen diesbezüglichen Gemeinderatsbeschluss ausheben und diverse Unterlagen sehen wollten, wurde der Tagesordnungspunkt vertagt.
Uneinig war man sich hingegen bei einer Umwidmung im Bereich Oberdorf, wo auf einer Teilfläche von 2500 Quadratmetern acht Wohneinheiten errichtet werden sollten. Ing. Reinpold erinnerte mit einem Foto daran, dass dieser Grund beim Hochwasser 1999 bereits überschwemmt worden war und bezweifelte, ob man hier mit gebotener Sorgfalt mit Baulandreserven umgehe. GR Alexander Michaeler kritisierte, dass es im Dorf genügend leerstehende Häuser gebe und zusätzliche Widmungen nicht nötig seien.
Mit der Einschränkung, die notwendige Schneeräumung und Streuung erst nach Umsetzung der Straßenkreuzung Gießenbach durchzuführen, beschloss der Gemeinderat (2 Enthaltungen) ein Wegteilstück der Straßeninteressentschaft Scharnitz-Gießenbach zu übernehmen. Man befürchtet, dass das Projekt 350. bis 400.000 Euro kosten und die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde überschreiten könnte.
Als sehr begrüßenswert beurteilten die Gemeinderäte hingegen den Wunsch der Volksschule Scharnitz, den Status „Naturparkschule“ anzustreben. Unter anderem müssen sie dafür eine eigene Ansprechperson ernennen, gemeinsame Projekte und einen Naturparktag durchführen, Experten einbeziehen und die Lernziele der Schule darauf ausrichten.