Scharnitzer Infocenter in der Länd als Streitobjekt

Das "Infocenter" in der Länd wird an wenig frequentierten Tagen geschlossen (Rendering: Arch. Gratl).

Heftige Debatten entbrannten bei der jüngsten Scharnitzer Gemeinderatssitzung ob des neuen Infocenters in der Länd, das samt Holzermuseum und Spielplatz zwei Millionen Euro verschlingen wird. Kritisiert wurde vor allem der Tourismusverband, der Schließungen des Büros im Winter und in der Nebensaison erwägt.
Eigentlich hatte Architekt DI Benedikt Gratl die Gewerke ausgeschrieben, um wegen der guten Konjunkturlage im Baugewerbe die Kosten nicht explodieren zu lassen. „Wozu brauchen wir im Gebäude eine Heizung, wenn dieses während der Heizperiode ohnehin nicht genutzt wird?“, meinte etwa Alt-Bgm. Walter Lechthaler zynisch. „Eine sündteure Holzhülle für zwei ganzjährig geöffnete Toiletten, das ist Geldverschwendung“, äzte Ing. Peter Reinpold. Einhellig sprach man sich dafür aus, gegen die Schließungspläne des Tourismusverbands anzukämpfen. GF Elias Walser, der gerade wegen der Euroloppet-Terminabstimmungen in Italien weilt, klärte gegenüber der Oberländer Rundschau auf, dass er die Besetzung der Tourimusbüros von der Besucherfrequenz abhängig macht: „Es kommt jetzt schon vor, dass Außenstellen tage- oder wochenweise geschlossen bleiben!“ Im Winter hat Scharnitz nur wenig Gäste. Im Tourismusbüro an der Straße werden im Jänner vor allem Langlaufkarten an Durchreisende verkauft. Wird der Umfahrungstunnel eröffnet und das Tourismusbüro in die Länd verlegt, fällt diese Kundschaft aus. Eine Schließung über mehrere Monate kommt für ihn aber trotzdem nicht in Frage. „Wir stecken unser Geld nicht in ein Gebäude, das wir dann nicht nutzen“, meint er im Rundschau-Gespräch. Trotz der eindeutigen Meinung der Scharnitzer Räte gegenüber den Tvb-Verantwortlichen wurden die Heizung-, Elek­tro- und Zimmermannsarbeiten mit nur 7:6 Stimmen (davon zwei Enthaltungen) beschlossen. Nur die sieben Gemeinderäte der Bürgermeisterliste waren für die rasche Fortführung des Projekts. GR Ing. Peter Reinpold hielt es für blauäugig, Mittel für Aufträge an Firmen freizugeben, die nicht durch den Haushaltsplan gedeckt seien. Überprüfungsausschuss-Obmann Thomas Lehner kritisierte, dass ihm weder ein der Tiroler Gemeindeordnung entsprechender Finanzierungsplan noch schriftliche Finanzierungszusagen vorliegen. Obwohl Bgm. Isabella Blaha aufklärte, dass es außer der vom Tvb zugesagten Aufstockung der Mittel für alle Zuschüsse schriftliche Zusagen gäbe und auch Alpenpark-Geschäftsführer Hermann Sonntag versicherte, dass man alles vertraglich fixiert habe, kam es zum besagten Abstimmungergebnis. Bgm. Blaha betonte überdies, dass das Land im Falle einer Vorfinanzierung durch die Gemeinde bereits eine Zwischenfinanzierung zugesagt habe.