Anlässlich des Internationalen Tags der Kinderrechte am 20. November hält die Kinder- und Jugendanwaltschaft Tirol (KiJA Tirol) fest, dass die Verwirklichung der Kinderrechte für die gesamte Gesellschaft, Politik und Verwaltung sowohl moralischer Auftrag als auch gesetzlich verankerte Verpflichtung ist. Die KiJA Tirol sieht dringenden Bedarf an verstärkten Anstrengungen im Kinderschutz, in der öffentlichen Haushaltsplanung und in der Mobbingprävention.
Aktuelle Vorfälle zeigen: Kinderschutz muss weiter gestärkt werden!
Die kürzlich bekannt gewordenen Vorfälle bei SOS-Kinderdorf haben unmissverständlich deutlich gemacht, wie wichtig es ist, den Kinderschutz in allen Bereichen, in denen mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird, systematisch zu stärken und weiterzuentwickeln.
„Kinderschutz darf nicht erst greifen, wenn bereits etwas passiert ist“, betont Kinder- und Jugendanwalt Lukas Trentini. „Es braucht klare Strukturen, verbindliche Standards und eine gelebte Kultur des Hinschauens und Handelns.“
Konkret fordert die KiJA Tirol die flächendeckende Implementierung von Kinderschutzkonzepten, ein funktionierendes Beschwerdemanagement, kontinuierliche Schulungen für Fachpersonal sowie den Ausbau von Vernetzungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen. Nur so könne gewährleistet werden, dass Kinder und Jugendliche in allen Lebens- und Betreuungsbereichen sicher sind.
Kinderrechte und Budgetverantwortung: Investieren heißt schützen
Die KiJA Tirol begrüßt die angekündigte Fortschreibung des Landesbudgets in sensiblen Bereichen wie der Kinder- und Jugendhilfe, weist jedoch darauf hin, dass dies nicht ausreicht, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Gemäß Artikel 4 der UN-Kinderrechtskonvention und dem General Comment 19 des UN-Kinderrechtsausschusses sind Bund und Länder verpflichtet, alle verfügbaren Ressourcen für die Umsetzung von Kinderrechten einzusetzen. Das Land Tirol ist daher gefordert – auch angesichts der finanziell angespannten Lage – den Kinderrechten im Budget Priorität einzuräumen.
„Eine nachhaltige Stabilisierung und Entwicklung im Kinder- und Jugendbereich erfordert zusätzliche Mittel und gezielte Investitionen“, so Trentini. „Gerade vulnerable Zielgruppen – etwa Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, psychisch belastete Jugendliche oder in Armut lebende Kinder – müssen im öffentlichen Haushalt besonders berücksichtigt werden.“
Mobbingprävention in Schulen: Tirol braucht ein klares Konzept
Besorgt zeigt sich die KiJA Tirol über die weiterhin unzureichenden Maßnahmen zur Mobbingprävention und -intervention an Tirols Schulen.
„Die aktuelle Situation ist für betroffene Schülerinnen und Schüler, Familien und Lehrpersonen unzufriedenstellend“, sagt Trentini. „Gerade vor dem Hintergrund des tragischen Schulanschlags in Graz in diesem Jahr muss klar sein: Prävention und psychosoziale Unterstützung sind kein Randthema, sondern Teil der Sicherheits- und Bildungspolitik.“
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft fordert eine landesweite, koordinierte Strategie gegen Mobbing, die von der Bildungsdirektion Tirol, den Schulerhaltern und psychosozialen Einrichtungen gemeinsam getragen wird. Dazu gehören Fortbildungen, Krisenteams, Beratungsangebote sowie der systematische Einbezug von SchülerInnen in die Entwicklung einer respektvollen Schulkultur.
„Der Tag der Kinderrechte erinnert uns daran, dass Kinderschutz und faire Chancen nicht verhandelbar sind“, so Trentini abschließend. „Kinderrechte müssen in Tirol überall dort wirksam werden, wo Kinder leben, lernen und aufwachsen – im Alltag, in Institutionen und in den politischen Entscheidungen, die ihre Zukunft gestalten.“
Aktionen zum Tag der Kinderrechte in Tirol
Zum Tag der Kinderrechte öffnet die Kinder- und Jugendanwaltschaft Tirol ihre Türen: Am 20. November 2025 werden rund 150 Kinder und Jugendliche beim Tag der offenen Tür in der KiJA Tirol begrüßt. In Workshops und Gesprächsrunden lernen sie ihre Rechte spielerisch kennen und erfahren, wie sie sich Gehör verschaffen können.
Am 22. November 2025 findet in der Maria-Theresien-Straße in Innsbruck eine öffentliche Kundgebung zum Thema Kinderrechte statt, die von zahlreichen Organisationen mitgetragen wird – darunter die KiJA Tirol, der Verein Plattform Asyl – für Menschen Rechte, die Kinderfreunde Tirol, die youngCaritas Tirol, Sindbad, Integration Tirol, der ÖZIV, die Hobby Lobby, die Katholische Jungschar, das Jugendzentrum Space der Caritas und die Klimabohne.
Von 11 bis 15 Uhr werden Mitmachstationen angeboten, bei denen Kinderrechte spielerisch und kreativ erfahrbar gemacht werden. Kinder- und Jugendanwalt Lukas Trentini steht vor Ort für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Auch kindgerechte Informationsmaterialien und weitere Redebeiträge machen deutlich: Kinderrechte gehören in die Mitte der Gesellschaft.
Text-\Bildquelle: © Land Tirol/Dominik
