Toni-Seelos-Stüberl gerettet

Sandra Seelos und Heinz Strasser in der „Weltmeisterstube“ im Heimatmuseum in Gießenbach (Fptp: P. Neuner).

Obwohl Heinz Strasser vom Heimatmuseum Gießenbach bereits 70 Jahre alt ist, ließ er kürzlich nichts unversucht, als er erfuhr, dass das „Hoamatl“ vom vierfachen Skiweltmeister und Erfinder des Parallelschwungs, Toni Seelos, geschliffen werden soll. In zweimonatiger Arbeit baute er die historische Holzstube samt 100 Jahre alter Täfelung aus und übersiedelte diese in sein Heimatmuseum.
„Toni Seelos war kein Seefelder“, weiß Strasser. „Er wurde in Telfs geboren und kam mit acht Monaten nach Seefeld, wo er bei Onkel Alois Gapp (Tschurb) im Haus Nr. 112 aufwuchs. Sein Vater arbeitete als Bergmann im Ichthyolwerk und verstarb bereits 1922 an einem Blinddarmdurchbruch.“
Toni hatte drei Brüder (Adolf, Johann und Karl) und musste bereits mit 12 Jahren arbeiten. Er verdiente sein Geld als Hirte, später als Arbeiter bei der Bundesstraßenverwaltung (Holzschlägern). Durch die Arbeiten trainierte er seinen Körper, was ihm später beim Skifahren zugute kam.
Hauptmann Wilhelm Völk, der gemeinsam mit zwei Kollegen die Schischule und den Skiclub Seefeld gegründet hatte, entdeckte das Talent von Anton, förderte ihn und machte ihn schließlich zum Hilfsskilehrer. Anton, der mit 18 Jahren seine Frau Klara Draxl kennen lernte, wurde bald zum großen Skistar. 1933 gewann er, dank seiner neuen Technik – dem Parallelschwung, die Weltmeisterschaft im Slalom und in der Kombination auf der Seegrube. 1935 wurde er Doppelweltmeister bei den FIS-Meisterschaften in Mürren, 1936 übernahm er das Training der deutschen Damen-Nationalmannschaft. 1948 wurde er Trainer des ÖSV.
Da er als Skilehrer und Skitrainer arbeitete, durfte er 1936 nicht an den olympischen Spielen in Garmsich teilnehmen. Mit 50 Jahren übernahm Seelos gemeinsam mit Sepp Kirchmair die Leitung der Schischule Seefeld.
„Im Haus Nr. 60, das im Dezember 2018 dem Erdboden gleich gemacht wurde, lebte Anton mit seiner Familie zwischen 1933 und 1968. Es war das Haus seiner Schwiegereltern Anna und Simon Schöpf“, so Strasser.
Da Strasser als Tischler die 100 Jahre alte Holztäfelung und diverse Möbel so schätzte, baute er vor den Abbrucharbeiten das Inventar aus und übersiedelte es ins Heimatmuseum Gießenbach.
Dort ergänzte er die Fundstücke und die zahlreichen Medaillen von Seelos mit Plakaten und Skiern aus seinem Fundus und präsentiert ab sofort stolz die „Stube des Weltmeisters“ in seinem Museum. „Das ist mein Beitrag zur FIS-Nordischen WM in Seefeld“, verrät er der Plateauzeitung.
Heinz Strasser abschließend: „Für die Realisierung des Projekts Weltmeisterstube möchte ich mich bei Werner und Sandra Seelos, bei der Gemeinde Seefeld für den Transport der Exponate und bei Michael Cordes von der Ichtyol GmbH für das Sponsoring recht herzlich bedanken!“