Wollen Olympia 2026 in der Region!

Obmann Alois Seyrling rechnet mit mindestens 4500 Sportlern in Seefeld (Foto: Rangger)

Tirol, und damit auch die Olympiaregion Seefeld, wollen sich für die Olympischen Winterspiele 2026 bewerben. Eine Machbarkeitsstudie wurde in Auftrag gegeben. Sogar die Unterstützungszusage durch den Ministerrat liegt „in Anbetracht der nationalen Bedeutung“ vor. Am 15. Oktober soll die Tiroler Bevölkerung darüber entscheiden, ob das Bewerbungsschreiben abgeschickt werden soll. Die PZ hat aus aktuellem Anlass ein Interview mit Regionsobmann Alois Seyrling geführt. PZ: Eine unkonventionelle Frage am Beginn: Wir nennen uns Olympiaregion. Wissen Sie, wie es zu diesem Namen gekommen ist? A. Seyrling: Unsere Region hat sehr viel Infrastruktur durch die olympischen Spiele und die WM 1985 erhalten. Es würde keine Fußgängerzone ohne olympische Spiele geben, kein Casino, kein Sport- und Kongresszentrum und keine WM-Tennishalle. Viele Betriebsansiedelungen und Hotelentwicklungen stehen in direktem Zusammenhang mit der Austragung dieser Großbewerbe. Das olympische Komitee hat uns als einzige Destination gestattet, „Olympia“ in den Regionsnamen zu integrieren. Das ist ein großer Werbevorteil und eine Kompetenzauszeichnung für unsere Region. PZ: Welche Bewerbe stünden 2026 in Seefeld am Programm? A. Seyrling: In der Machbarkeitsstudie ist man davon ausgegangen, dass die Olympiaregion die nordischen Bewerbe, also die Medaillenentscheidungen in Langlauf, Normalschanze und Kombination austragen wird. Für diese Bewerbe sind wir österreichweit ohne Konkurrenz. Auf Grund des konsequenten Loipenausbaus mit der Optimierung für die WM 2019 und den Schanzeninvestitionen aus Anlass der Olympischen Jugendspiele 2012 haben wir eine Vorreiterfunktion. Dazu kommt die historische Austragungskompetenz mit den olympischen Spielen 1964 und 1976 sowie den Weltmeisterschaften 1985 und 2019. PZ: Was sind die größten Herausforderungen, die auf die Region durch eine Bewerbung zukommen? A. Seyrling: Die Machbarkeitsstudie geht von einem Gesamtbudget von 1,2 Mrd. Euro aus, wobei die Einnahmen so kalkuliert sind, dass ein Drittel dieser Summe der IOC-Beitrag abdeckt und der Rest durch Sponsoren, Eintrittsgelder, Lizenzen und Mieten abgedeckt wird. Es sollen also keine öffentlichen Gelder und kein Steuergeld aus Tirol in die Spiele fließen. Bei uns in Seefeld sind einige temporäre Bauten wie Tribünen zu errichten. Unsere größten Aufgaben sind aber die Sicherheit, das Verkehrskonzept und die Logistik. Denn es handelt sich hier im Vergleich um das Volumen von 17 Weltmeisterschaften, verteilt auf 17 Tage. PZ: Bei bisherigen Großveranstaltungen gab es immer Großinvestitionen. Was ist für Olympia 2026 geplant? A. Seyrling: Gerade das Umdenken beim olympischen Komitee führt dazu, dass unsere Region prädestiniert für die Spiele 2026 ist. Nicht nur die Sportstätten im Ort und die vorhandene Bettenkapazität sind da, sondern auch die gesamte Verkehrsinfrastruktur. So liegt unsere Region nahe der Flughäfen von Innsbruck und München, direkt an den Hauptstraßen über Scharnitz, den Zirler- und den Telferberg. Vier Bahnhöfe am Plateau sorgen dafür, dass ein Großteil der Zuseher mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen kann. Da bei uns fast alles bereits vorhanden ist, können wir uns keine großen Bauten erwarten. Wir werden aber bestrebt sein, dass überall, wo Investitionen nötig werden, diese auch nachträglich für Sportbewerbe, Veranstaltungen oder auch für den „normalen Gast“ genutzt werden. PZ: Die Machbarkeitsstudie geht davon aus, dass kein olympisches Dorf errichtet wird. Werden in Seefeld Nächtigungen erwartet? A. Seyrling: Athleten, die an olympischen Spielen teilnehmen, dürfen laut aktuellem Reglement nur maximal 400 Höhenmeter unter oder über den Sportstätten untergebracht werden, an denen sie zu den Wettkämpfen antreten. Es müssen daher mindestens 4500 nordische Sportler über den gesamten Zeitraum in der Olympiaregion nächtigen. Zudem werden natürlich auch Trainer, Funktionäre und Medienvertreter hier ein Zimmer brauchen. Trotzdem erwarten wir zum Zeitpunkt der Olympiade keine Vollauslastung. Das hat die Geschichte gezeigt, dass im Jahr der Bewerbe die Nächtigungen eher zurück gehen, in den Folgejahren aber durch den Werbewert der Spiele das Gästeaufkommen gehörig steigt. PZ: Viele Seefelder kritisieren bereits jetzt, dass man zu sehr auf den nordischen Sport setzt. Wird durch Olympia nicht noch verstärkt einseitige Werbung betrieben? A. Seyrling: Diese Frage möchte ich mit einem Vergleich beantworten. Auch ein Kaufmann stellt sein funkelndstes Angebot in die Auslagescheibe. Der Kunde kauft aber meist nicht das teuerste Stück, sondern findet im Geschäft dann etwas Passendes. Bei uns ist Langlauf unser Spitzenprodukt. Wenn die Zuseher und Medienvertreter vor Ort sind, müssen wir sie mit der gesamten Bandbreite an Aktivitäten, die unserer Region möglich sind, konfrontieren. Im Fernsehen können wir das zum Beispiel mit geschickten Trailern vor den Übertragungen erreichen. Es liegt an uns, die Spiele so zu nutzen, dass die Welt erfährt, warum unsere Region 365 Tage im Jahr eine Reise wert ist. PZ: Wo können sich Interessierte über die Seefelder Olympiabewerbung informieren? A. Seyrling: Im Internet gibt es unter „olympia2016.at“ eine sehr interessante Homepage über die Machbarkeitsstudie, die das Land Tirol in Auftrag gegeben hat. Darüberhinaus können sich Interessierte natürlich auch an die Vorstandsmitglieder und die Mitarbeiter der Olympiaregion wenden. Gerne beantworten wir auch kritische Fragen. Nur wer sich mit den Fakten auseinandersetzt, wird bei der Volksabstimmung zu Olympia 2026 am 15. Oktober eine kompetente und auf Fakten beruhende Entscheidung treffen können. PZ: Danke für das Gespräch.