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Musiktage sind Werbeträger für Seefeld

Die Musiktage in der Region Seefeld finden heuer zum 15. Mal statt. Sie bringen im August renommierte Hochschulprofessoren und Nachwuchskünstler in den Ort und sorgen für ein Kulturprogramm der Spitzenklasse. Aus aktuellem Anlass hat die PZ mit dem künstlerischen Leiter, Rudens Turku, das folgende Interview geführt.
PZ: Du hattest ja bereits in Starnberg Musiktage organisiert. Wie kam es zur Idee, diese auf Seefeld auszuweiten?
Rudens Turku: Als 18-Jähriger habe ich das Tiroler Hochplateau zum ersten Mal privat besucht und war sofort gefesselt. Zwei Jahr später wollte ich meinen Wunsch in die Tat umsetzen, kommenden Generationen das zurückzugeben, was ich in meiner Jugend selbst von der Violin-Ikone Ana Chumachenco, meiner Hochschulprofessorin, mit auf den Weg bekommen habe, den Wunsch, jungen Menschen Wissen weiterzureichen und auf diese Weise in die Welt der Musik einzutauchen. Nachdem mit den Starnberger Musiktagen bereits eine Osterakademie auf sehr hohem Niveau etabliert worden war, wuchs auch im Kreis meiner Dozentenkollegen das Bedürfnis und somit die Nachfrage nach einer Erweiterung des Konzepts um eine Sommer- sowie eine Herbstakademie. Ziel sollte eine intensive musikalische Förderung über das gesamte Jahr hindurch sein, die wir möglichst vielen Kindern und Studierenden anbieten möchten. Da bietet der Wechsel des Ortes natürlich einen zusätzlichen Anreiz. Meine Wahl fiel auf Seefeld. Der Rest ist längst Geschichte. Wenn wir diesen August nun unser 15-jähriges Jubiläum feiern, laden wir alle zu allen Konzerten bei freiem Eintritt ein.
PZ: Wie haben sich aus deiner Sicht die Musiktage im Laufe von 15 Jahren entwickelt?
Rudens Turku: Die Seefelder Musiktage sind eine Erfolgsgeschichte. Sie stehen für Nachwuchs-Förderung und auf sozialpolitischer Ebene für das friedliche Beisammensein und gemeinsame Musizieren von Menschen aus allen Ländern. Was einst mit nur sechs Kursteilnehmern begann, hat sich zu einem Solitär in der Festivalszene gemausert. Heute zählen die Seefelder Musiktage zu den bekanntesten und wichtigsten Sommerakademien in Österreich. Der Ort entwickelte sich in den vergangenen 14 Jahren zum jährlichen Fixpunkt für über 1300 internationale Künstler, Studierende und Teilnehmende an dem breitgefächerten Angebot von Kursen und öffentlichen Veranstaltungen. Jahr für Jahr reisen Spitzenmusiker hierher und vermitteln ihr Können und ihre Begeisterung. Vor allem aber begeistern sie auch das Publikum, weil sie während der Seefelder Musiktage bei Konzerten zu hören sind. Viele Gäste verlegen eigens ihren Urlaub nach Seefeld und möchten bewusst zur Festivalzeit vor Ort sein möchten. So ist mit der Zeit eine richtige Festival-Familie zusammengewachsen.
PZ: Nach den schwierigen Corona-Jahren blieb im Jubiläumsjahr die Subvention der Gemeinde Seefeld aus. Warum habt ihr die Musiktage dennoch fortgesetzt?
Rudens Turku: Trotz der angespannten finanziellen Situation hat die Gemeinde die Seefelder Musiktage dankenswerterweise durch die Bereitstellung der beiden Schulen für unsere Meisterkurse sowie der Räume im Kongresszentrum unterstützt. Als eigenständige Institution sind die Musiktage ja keineswegs nur von der Gemeinde abhängig. Der TVB ist unser Hauptpartner, von dem wir seit Jahren Unterstützung erfahren. An dieser Stelle möchte ich mich herzlichst für das entgegengebrachte Vertrauen der Vorstände bedanken! Wir freuen uns, dass durch die Musiktage im August zwischen 800 und 1000 Übernachtungsgäste nach Seefeld kommen. Diese Tatsache bringt auch einen Marketing-Effekt mit sich. Nicht zuletzt tragen die Musiker und ihre Familien das gute Image in die Welt. Viele kommen zum Winterurlaub oder in den Folgejahren wieder. Weitere Partner sind das Land Tirol, der Henle Verlag, Avalon Premium Cars, der Lions Club, Friends of Turku e.V., die Raiffeisen Bank und unsere Partnerhotels Klosterbräu, Hotel Seespitz und Kaltschmid Hotels. Nicht zu vergessen sind darüber hinaus all die Menschen, die uns vor Ort immer zur Seite stehen, etwa Sebastian Sauter, der zehn Jahre lang die Organisation innehatte. Die Gemeinde ist zweifellos ein wichtiger, aber nicht der alleinige Träger.
PZ: Welche Perspektiven siehst du für die Musiktage in den kommenden 15 Jahren?
Rudens Turku: Es ist wichtig, das Niveau der Akademie weiterzuführen, die musikalischen Angebote kontinuierlich auszubauen. Um ein solches Festival über so viele Jahre mit jeweils 120 Künstlern pro Ausgabe zu organisieren, bedarf es viel positiver Energie. Die meiste Energie bekomme ich von meiner Familie und meinem Zuhause. Mein Wunsch ist, dass wir wissbegierig bleiben, neue Wege zu beschreiten wagen, mit Demut an unsere Aufgaben gehen und uns gegenseitig stets mit Respekt und Bodenständigkeit begegnen. Je größer ein Festival wird, desto größer sind auch die Herausforderungen, vor denen man als Gründer und Künstlerischer Leiter steht. Kritik gegenüber bin ich immer offen. Ich wachse an ihr. Mit den „Night of Classics“ und „Oper à la Carte“ sind unter anderem zwei für das Publikum wunderbare Formate entstanden. Wir wollen den Gästen und vor allem den Menschen in Seefeld die Türen öffnen, sie einladen, Klassik unter freiem Himmel zu genießen und ihnen unvergessliche Begegnungen mit der Musik und unseren Künstlern ermöglichen. So stelle ich mir die Zukunft für die Musiktage in Seefeld – Tirols Hochplateau vor.
PZ: Danke für das interessante Gespräch.

Das Programm

Das Konzertprogramm der 15. Musiktage der Region Seefeld können sich sehen lassen: International renommierte klassische Künstler sind zwischen 3. und 20. August zum Teil Open-Air und sogar kostenlos zu hören und zu bestaunen.
Hier ein Überblick: Am 3. August um 20.30 Uhr findet im Kurpark die Night of Classics mit Rudens Turku & friends statt. Am 6. August folgt am Dorfplatz um 20.30 Uhr Oper à la carte (bei Schlechtwetter im Saal Olympia). Am 8. August um 15 Uhr beenden die ersten Meisterklassen im Saal Olympia mit „Rising Stars in concert“ ihre erste Studienwoche.
Nächster Höhepunkt ist am 9. August um 20.30 Uhr am Dorfplatz (bei Schlechtwetter im Saal Olympia) das Open-Air-Konzert „Magische Hände“. Am 12. August heißt es um 15 Uhr im Saal Olympia beim Abschlusskonzert der Meisterkurse „360° Cellissimo“.
Ein neuerliches Highlight steht am 16. August um 20.30 Uhr am Dorfplatz (bei Schlechtwetter im Saal Olympia) das Open-Air-Konzert „Souvenir de Seefeld“ auf der Agenda (Programm und die Namen der teilnehmenden Künstler finden Sie für die Highlights auf www.musiktage-seefeld.at).
Am 15. August um 15 Uhr steht das Abschlussskonzert „360° Violine“ im Saal Olympia an. Mit dem Konzert der Meister, „Musik verbindet“, geht am 20. August um 15 Uhr im Saal Olympia die diesjährige Sommerakademie zu Ende.

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