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PZ seit 30 Jahren in Mittenwald

Im September 1993 war Österreich noch nicht bei der EU. Nicht einmal die Volksabstimmung über den Beitritt Österreichs war abgehalten. In Deutschland zahlte man noch mit D-Mark, in Österreich mit Schilling. Die Grenzen wurden von Zollbeamten bewacht. Die PZ hieß damals noch Rundschau und wurde von Redakteurin Margarete Neurauter gestaltet. Sie hatte die Idee, die Zeitung auch in Mittenwald heraus zu bringen.
Aus aktuellem Anlass führten wir mit ihr das folgende Gespräch.
PZ: Erinnern Sie sich bitte für unsere Leser zurück an 1993.
M. Neurauter: Es war im Sommer 1993, als alle schon von der EU sprachen. Dabei kann sich niemand mehr vorstellen, was für ein Abenteuer das war. Ja, ich machte mich auf den Weg und überschritt die damalige streng gesicherte Landesgrenze Österreich-Deutschland, oder nachbarlich ausgedrückt: Tirol-Bayern! Beide Grenzübergänge in Unterleutasch und Scharnitz waren zu dieser Zeit noch streng bewacht, beflissene Zollbeamte, mit Chef und Kontrollpersonal nahmen so manchen Tiroler und Bayer „in die Mangel“. Mit Abtasten des Körpers, Durchwühlen der Taschen, Mappen, Tüten, Sackerln und sonstigen Aufbewahrungsutensilien, die man bei sich trug. Dazu dann die Befragung der Beamten: „Warum man im Ausland war, und was man im Ausland zu tun hatte usw?“
PZ: Unsere Region ist ja nur wenige Kilometer entfernt.
M. Neurauter: Mittenwald war kein Nachbarort, es war Ausland. Niemand kann sich heute vorstellen, welcher Aufwand es war, die jeweils richtigen Geldscheine dabei zu haben; die richtige Kleidung anzuhaben, mit ein paar unauffälligen Innentaschen mit diversen Ausweisen und Versicherungskarten. Ich war zudem „Bayu­warin“, die nach Tirol ausgewandert ist. Den grenzenlosen Weg über zwei Länder hinweg medienmäßig beschreiten. Das war kein einfaches Unterfangen für beide Seiten!
PZ: Gab es abfällige Bemerkungen?
M. Neurauter: In Tirol war ich eine „Nestbeschmutzerin“ . Der leider zu früh verstorbene Sigi Seyerling meinte: „Was geht die da draußen an, was da bei uns herinnen passiert!“ Und Hotelier Neuner vom Parkhotel Wallgau sagte: „Gott sei Dank, dass wir am untersten ‚Sackzipfel‘ von Deutschland ein bisschen Weitblick eröffnet kriegen.“ Ich stand sozusagen in zwei verschiedenen Welten. „Gott sei Dank“ hat mich der Mut nicht verlassen!
PZ: Wie hat sich die Nachbarschaft entwickelt?
M. Neurauter: Schon nach einem Jahr konnte man feststellen, dass die positiven Aspekte überwogen. Welch Freude machte sich breit, als Sigi Seyerling anrief und sagte: „Wir machen ein Versöhnungs-Titelblatt.“ Als ich im August 2023 die PZ anschaute, wie konspirativ, wie vereint beide Seiten sich präsentieren, – da ging mir ‚das Herz auf!‘ Ich hoffe, dass Tirol und Bayern sich nie mehr trennen!“
PZ: Danke für das bewegende Interview!

Pionierleistung
Man muss sich das heute einmal vorstellen: Als Margarete Neurauter 1993 mit der PZ in Mittenwald, Krün und Wallgau startete, gab es noch keine EU, keine UIDs, und man konnte sich noch nicht darauf verlassen, dass ein Inserat eines bayerischen Kunden nach dem Erscheinen der Zeitung den gleichen Umrechnungswert hatte wie zum Zeitpunkt des Kaufabschlusses.
Erst am 1. Jänner 1995 trat Österreich der EU bei, am 1. Jänner 2002 wurde die Bargeld-Währung auf Euro umgestellt. Margarete Neurauter war eine Pionierin, und es war uns eine Herzensangelegenheit, mit ihr das nebenstehende Interview zum Jubiläum in Mittenwald zu führen. Gerne blättern wir in alten Rundschau-Ausgaben und stellen fest, wie weitsichtig die Redakteure im Laufe der Geschichte gehandelt haben. Immerhin starten wir mit dieser Ausgabe ins 51. Jahr unseres Bestehens!
Bernhard Ranger

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