Start Allgemein Erste Bürgermeisterin von Seefeld?

Erste Bürgermeisterin von Seefeld?

Andrea Neuner ist Seefelds erste und aktuell einzige Kandidatin für das Bürgermeister-Amt. Die 48-Jährige hat ihre Kandidatur bereits wenige Tage nach der Auflösung des Gemeinderates bekannt gemacht. Bernhard Rangger von der PZ bat die Unternehmerin zum Interview.
PZ: Warum haben Sie sich um das höchste Amt im Gemeinderat beworben?
A. Neuner: Ich bin Seefelderin aus Überzeugung, und das Wohl der Gemeinde liegt mir besonders am Herzen. Hätte es 2021 keinen Rücktritt des damaligen Bürgermeisters gegeben, und wir wären gemeinsam zur Neuwahl angetreten, hätte ich mich als Vizebürgermeisterin aufstellen lassen. Zuletzt war ich Ersatzgemeinderätin und habe viele Sitzungen als Zuseherin verfolgt. Es war in dieser turbulenten Zeit sicher hilfreich, das Geschehen mit etwas Abstand zu betrachten. In dieser Zeit ist in mir der Entschluss gereift, mich als Bürgermeisterkandidatin wieder aktiv in die Gemeinde einzubringen, denn die aktuelle Stimmung im Ort schreit förmlich nach einer geordneten Situation und einem gemeinsamen Kraftakt.
PZ: Viele Seefelder meinen, dass sie soviele Jobs und Vereinsämter hätten, dass nicht ausreichend Zeit für das Amt bliebe?
A. Neuner: Seefeld braucht eine Gemeindeführung, die sich mit voller Kraft um die Gemeinde kümmert. Sollten mir die Seefelder ihr Vertrauen aussprechen, werde ich meine Tätigkeiten anders koordinieren. In meinem Trachten-Geschäft habe ich ausgezeichnete Mitarbeiter, die mir schon jetzt den Rücken frei halten. Die Pfarrassistenz würde ich zurücklegen, das ist mit Pfarrer Mateusz Kierzkowski abgesprochen. Und meine zeitaufwändigen Tätigkeiten in den Vereinen muss ich reduzieren. Als Bürgermeisterin wäre ich dann ohnehin im Vereinsleben aktiv, denn der Austausch mit den Menschen ist mir sehr wichtig.
PZ: Welche Qualifikationen bringen Sie für das Amt mit?
A. Neuner: Ich habe in der Handelsakademie eine buchhalterische Ausbildung genossen und in Italienisch und Englisch maturiert. Als Unternehmerin kam mir diese Ausbildung bereits zugute. Meine Tätigkeiten in der Gemeinde geben mir einen tiefen Einblick in die Anliegen der Seefelder. Ich war sechs Jahre im Gemeinderat, habe dort im Sozial-, Bildungs- und Verkehrsausschuss, dem Vereins- und Siedlungsausschuss und im BIG-Ausschuss gearbeitet.
PZ: Was gehen Sie sofort an?
A. Neuner: Wir leben in einem der schönsten Orte der Welt. Genau so muss Seefeld wieder wahrgenommen werden. Nicht nur in der nationalen und internationalen Presse, auch die Menschen in und um Seefeld sollen Negatives vergessen und wieder positiv nach vorne schauen können. Dazu müssen wir am Plateau noch enger zusammenrücken und unsere Hausaufgaben machen. Speziell in so schwierigen Zeiten müssen wir unsere Mittel gezielt einsetzen. Es darf nicht auf Kosten der Familien, Kinder und Senioren gespart werden. Unsere Vereine sind unverzichtbar für die Seefelder DNA. Wir müssen den Tourismus weiterentwickeln und die Kompetenz im Ort mit einbinden. Es gilt, die Gesamtsituation im Auge zu behalten und jetzt die Voraussetzungen für künftige Projekte zu schaffen.
PZ: Sie haben die Finanzen angesprochen. Wie wollen Sie raus aus der Negativspirale?
A. Neuner: Amtsverwalter Thomas Hauser hat das bereits vorbereitete, jedoch nicht beschlossene, Budget überarbeitet und ein ausgeglichenes Budget erstellt, das stimmt mich zuversichtlich. Eines muss uns bewusst sein – Seefeld ist eine finanzstarke Tiroler Gemeinde. Es ist der falsche Zeitpunkt, um den Kopf in den Sand zu stecken. Die „Pandemiejahre“ haben uns gezeigt, wie man mit großen Herausforderungen umgehen muss. Wir werden gemeinsam mit Fachleuten die Verträge prüfen und mit Bund, Land und den Banken Lösungen finden. Auf Basis vernünftiger Entscheidungen ist es der aktuellen Geschäftsführung gelungen, die Bergbahnen Rosshütte in schwarze Zahlen zu führen, sinnbildlich für den neuen Seefelder Weg.
PZ: Muss das Seefelder Hallenbad schließen?
A. Neuner: Das Hallenbad ist eine Herausforderung, der wir uns stellen werden. Es gibt bereits einige gute Ansätze, die es zu prüfen gilt. Auch in der Vergangenheit gab es immer wieder erfolgreiche Maßnahmen, diese gehören gesammelt, überarbeitet und mitunter wiederbelebt. Das Schwimmbad ist nicht nur ein großer Mehrwert für das touristische Angebot, auch die Seefelder, Gäste am Plateau und Besucher aus den Umlandgemeinden schätzen das Angebot und nützen diese Wellnessoase. Das Hallenbad zu schließen, ist schwer vorstellbar.
PZ: Was werden Sie im Amt verbessern?
A. Neuner: Sollte ich Bürgermeisterin werden, werde ich mir die Strukturen und Aufgabenbereiche genau ansehen. Ich weiß, dass wir sehr engagierte und zuverlässige Mitarbeiter in der Gemeinde haben. Vielmehr müssen wir näher zusammenrücken und wieder gemeinsam für ein starkes und lebenswertes Seefeld arbeiten. Wir haben so viele tolle Ideen im Ort, und ich lade alle Seefelder herzlich dazu ein, sich aktiv in der Gemeinde einzubringen. Ich sehe es auch als Aufgabe der Gemeindeführung, ein offenes Ohr für die Anliegen der Seefelder zu haben.
PZ: Wird Bürgerbeteiligung ihre Amtszeit prägen?
A. Neuner: Grundsätzlich ist es mein Amtsverständnis, für alle da zu sein und verbindend zu wirken. Ich kann mir aktive Bürgerbeteiligung in eigenen Sitzungen vorstellen. Ich habe das bei der Informationsveranstaltung zum Thema Schwimmbad beobachtet. Es gibt gute Ideen, die von den Bürgern gekommen sind. Es gibt viel zu tun, die Themen würden den Rahmen unseres Gesprächs sprengen. Die Fragestellungen für eine positive Entwicklung von Seefeld sind erarbeitet, jetzt gilt es die richtigen Antworten zu finden. Mein Team und ich sind gut vorbereitet und für die Herausforderungen bereit!
PZ: Danke für das Gespräch.

Viel zu voreilig!
Mit dem frühen Wahltermin (25. Feber) haben die Behörden der Demokratie in Seefeld einen Bärendienst erwiesen. Bereits am 26. Jänner müssen die Wahlvorschläge eingebracht werden. Da Seefeld an den Wahltermin von Thaur angehängt wurde, hatten neue Gruppierungen keine Zeit sich zu formieren. Dabei geht es in Thaur um eine Ortschefwahl, von der man seit 10. November weiß. In Seefeld löste sich der Gemeinderat am 28. November auf, mit dem Ziel neue Kräfte in Gemeinde und für das Bürgermeisteramt zu finden. Das Resultat: Voraussichtlich treten jetzt nur zwei von bisher vier Gemeinderatslisten zur Wahl an. Sie waren in Opposition und stellten sechs Mandatare. Die mögliche neue Konkurrenz gab aus Zeitmangel auf. Jetzt erfolgte auch die (logische) Aufgabe der Bürgerliste, die mit der Kommunikation mit der Bevölkerung große Probleme hatte. Unter den Willigen regiert die Hektik, wie man überhaupt 15 Räte findet, die ein politisches Amt ausüben wollen. Ein demokratiepolitisches Fiasko: Obwohl die „Neuen“ kaum Gestaltungsraum haben, und das Null-Budget von Amtsverwalter Thomas Hauser umsetzen müssen, werden sie wohl auch von den Wählern mit einer niedrigen Wahlbeteiligung abgestraft. Dabei sollte diese „Watschen“ der Behörde gelten! Balibt zu hoffen, dass diesen Umstand die Wähler berücksichtigen und trotz der etwas geringeren Auswahl in großer Zahl zum Urnengang schreiten.
Bernhard Rangger

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