Start Allgemein Vortrag über den "Ölschiefer-Bergbau"

Vortrag über den „Ölschiefer-Bergbau“

In der bayerisch-tirolerischen Grenzregion des westlichen Karwendels hat die Gewinnung von Ölschiefer und die Produktion von Steinöl über Jahrhunderte die wirtschaftliche wie gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst. Am Donnerstag, den 9. Juni 2022, um 19 Uhr präsentiert der bayerische Heimatforscher und Autor Peter Schwarz wesentliche Erkenntnisse seiner montanhistorischen Recherche.
Der Vortrag richtet sich an alle, die einen Einblick in die Entwicklung des Bergbaus der Region bekommen möchten und findet im Rahmen des Interreg-Projektes „Ölschiefer-Bergbau im Westlichen Karwendel“ im Gemeindesaal Reith bei Seefeld statt. Peter Schwarz hat seit 2020 im Zuge einer umfangreichen Literatur- und Archiv-Recherche mit der grenzüberschreitenden Bergbaugeschichte der ehemaligen Bergbaugemeinden auf Tiroler wie bayerischer Seite auseinandergesetzt. Es gilt das Wissen rund um dieses kulturelle Erbe zu bewahren. Unter der Federführung der Gemeinde Reith bei Seefeld arbeiten in dieser von der EU geförderten Initiative die Gemeinden Reith, Seefeld, Scharnitz, Mittenwald, Krün und Wallgau zusammen. Mit im Boot sind auch die Tourismusorganisationen Region Seefeld – Tirols Hochplateau und die Alpenwelt Karwendel.
Schon im Mittelalter verstanden es die Menschen dem Gestein das stark nach Asphalt riechende Öl zu entlocken. Der Geruch war penetrant, aber man wusste um seine entzündungshemmende Wirkung für Mensch und Tier. Über Jahrhunderte haben die Bauern das Öl gewonnen und über sogenannte Dirschler oder Öltrager damit gehandelt. Steinöl wird auch Schieferöl, Dyrschenöl, Dürschöl und Bergöl genannt. Die Entstehung des wertvollen Wirkstoffes geht auf eine Zeit vor rund 200 Millionen Jahren zurück, als das Gebiet des heutigen Westlichen Karwendels, das sich damals noch am Nordrand des afrikanischen Kontinents befunden hat, noch eine flache Lagune war. Organisches Material lagerte sich am Lagunengrund in Schichten ab, die unter Sauerstoffabschluss im Laufe der Zeit in eine ölige Flüssigkeit umgewandelt wurden. Diese Schichten wurden in den folgenden Jahrmillionen von weiteren Ablagerungen überdeckt und im Rahmen der Alpinen Gebirgsbildung in die heutige Lage angehoben. Noch heute finden sich In dem geschichteten Gestein bis auf eine Seehöhe von über 2000 m Einschlüsse mariner Lebewesen.
Der Bergbau an der oberen Isar, im Gebiet Schröfeln zwischen Wallgau und Vorderriß, setzte während des Ersten Weltkriegs ein. Er wurde mit kleinen Unterbrechungen bis 1962 betrieben. Da der dortige Ölschiefer der Lagerstätte im Seefelder-Reither Gebiet weitgehend entspricht, wurden die Anlagen in Schröfeln nach dem Zweiten Weltkrieg der Tiroler Seite angegliedert.
Der bergmännische Abbau und die fabrikmäßige Aufbereitung bei Reith und Seefeld begannen im 19. Jahrhundert und brachten der Region einen gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Aufschwung. In der „Maximilianshütte“, benannt nach Erzherzog Maximilian Joseph von Österreich-Este, nahm auch das noch heute erfolgreiche Pharmaunternehmen „Ichthyol-Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co in Hamburg ihren Anfang. Der letzte Ölschiefer im Revier Hochanger im Gemeindegebiet Reith bei Seefeld wurde 1955 abgebaut, im Revier Ankerschlag im Gemeindegebiet Seefeld im April 1964. Seitdem erfolgt in der Maximilianshütte aus dem aus Frankreich gelieferten Rohöl die Aufbereitung der Wirkstoffe, aus denen im Hamburger Hauptfirmensitz Arzneimittel hergestellt werden, die in der Dermatologie und Orthopädie zum Einsatz kommen.
Der Eintritt zum Vortrag von Peter Schwarz und Peter Gstrein im Gemeindesaal Reith bei Seefeld ist kostenfrei. Anmeldung werden in der Gemeinde Reith bei Seefeld, per E-Mail unter gemeinde@reith-seefeld.at, oder telefonisch von Claudia Schmoll, t: +43(0)5212- 3116-75 und Petra Albrecht t: +43(0)5212- 3116-78 entgegen genommen. Im Sinne der COVID-19-Prävention wird das Tragen einer FFP2-Maske empfohlen (Sylvia Frenes).

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