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50 Jahre PZ/Rundschau – ein Blick zurück

Zwei Jahre lang plagte sich Kurt Neurauter mit dem Gedanken herum, für das Seefelder Plateau eine eigene Regionalzeitung zu gründen. Als er im September 1972 den jungen Bankangestellten Othmar Crepaz auf das Projekt ansprach, fragte dieser nur: „Und woher sollen die Einnahmen kommen?“ Doch schon nach kurzer Erklärung war Crepaz überzeugt. Das Informationsblatt namens Rundschau war geboren.
Die erste Ausgabe erschien am 21. Dezember 1972 – die Zeitung war auf ähnlich billigem Papier gedruckt, wie diese Zeitung. Geschmückt wurde sie durch ein orangefarbiges Logo.
Aus der Taufe gehoben wurde die Rundschau vom frisch in Reith verheirateten 24-jähriigen Telfer Schriftsetzer Kurt Neurauter, der für seine Idee ein Redaktionsteam gesucht hatte.
Die Redakteure der ersten Stunde waren fast alle Lehrer: Elmar Grissemann (†) war Volksschuldirektor in Reith, Alois Neuner aus Mösern lehrte in der Volks- und Hauptschule Scharnitz, auch der spätere Landesschulinspektor Dr. Reinhold Wöll war bei den ersten Redaktionsbesprechungen dabei, zog sich jedoch noch vor der ersten Ausgabe wieder zurück. Und Othmar Crepaz war dabei, der gerade vom Tiroler Landesreisebüro zur neu eröffneten Bank für Tirol und Vorarlberg gewechselt hatte.
Gratiszeitung?
Die größte Überzeugungsarbeit musste Kurt Neurauter bei seinen neuen Mitarbeitern leisten. Eine Zeitung, die verschenkt wird, deren Produktion und Versand viel Geld kostet – das soll sich mit Werbeeinschaltungen rechnen? Und womöglich noch ein paar Schillinge (damals gab es noch keine Euro) für die Redakteure abwerfen?
Dabei war doch erst Monate vorher der Telfer »Blickpunkt« auf den Markt gekommen und hat am Plateau schon kräftig Fuß gefasst! Gegen diesen vergleichsweise wirtschaftlichen Riesen mit einem Plateau-Blattl ankämpfen?
Seefeld und das Plateau war anfangs der 70er Jahre in einem gewaltigen Aufbruch. Vier Jahre vor Olympia 1976 gab es genug Geld für Inserate ,und für die Redakteure viele interessante Themen, die im Ort leidenschaftlich diskutiert wurden: Die geplante (und längst wieder geschlossene!) Mülldeponie Ochsentanne, das geplante Sport- und Kongresszentrum stand vor der denkwürdigen Abstimmung und entzweite die Seefelder beinahe; die Südumfahrung Seefelds wurde heiß diskutiert – der damalige Bürgermeister KR Karl Glas wollte sie unbedingt oberhalb der Gschwandt-Häuser entlang bis nach Auland gebaut wissen und wurde von seinem Gemeinderat überstimmt. Die Schaffung einer Fußgängerzone spaltete Seefeld ebenfalls in zwei Lager, die erbittert argumentierten.
In dieser emotionalen Zeit bestand das Rundschau-Redaktionsteam seine Feuertaufe. Sachliche Berichte aus den Gemeindestuben, präzise Auflistungen von Für und Wider verhalfen der Bevölkerung zu einem erweiterten und bis dahin nicht gekannten Informationsstand. Reportagen über schwierige Abstimmungen, wo es in der Berichterstattung weder Sieger noch Verlierer gab, stellten den autodidakten Redakteuren ein gutes Zeugnis aus. Hier kam es naturgemäß zu den ersten »Richtungskämpfen« im Redaktionsteam. Hier das Bestreben, mit sachlich-kritischem Journalismus eine interessante Zeitung zu gestalten, auf der anderen Seite die Repräsentanten aus der edlen Zunft der Lehrer, die sich mit Rücksicht auf die Schüler und deren Familien von jeglicher kritischen Berichterstattung herauszuhalten hatten. Der Spagat gelang – jeder besetzte eben den Themenkreis, der ihm eine problemlose Arbeit ermöglichte und seinem Naturell entsprach.
Damals erschien die Rundschau vierteljährlich, 1974 wurde auf zweimonatige Erscheinungsweise umgestellt.
Der technische Arbeitsablauf entsprach freilich nur anfangs dem Stand der Zeitungsproduktion. Zwar druckte man schon sehr fortschrittlich im Offset-Druckverfahren (im Gegensatz zum Bleisatz-Tiefdruck, der damals beispielsweise bei der TT noch praktiziert wurde). Die Vorstufe aber war sehr mühsam. Zwar gab es damals schon elektrische Schreibmaschinen, sie schrieben aber alle Buchstaben gleich breit – ein »i« beanspruchte gleich viel Platz wie ein »m«. Das reichte für einen Geschäftsbrief, nicht aber für ein Zeitungs-Layout. Alle Texte mussten daher einem Grafikbüro übergeben werden, wo es sogenannte »Composer« gab, die die Texte in Spationsschrift und in Spaltenbreite ausgeben konnten. Jeder Artikel war also ein 46 mm breiterPapierstreifen, genannt »Fahne«, der mittels Wäscheklammer auf einer quer durchs Zimmer gespannten Schnur befestigt wurde. Dort hingen nun die Artikel und harrten ihrer Verarbeitung. Auf einem selbstgebastelten »Lichttisch« – unter einem Milchglas strahlte eine Neonröhre – war der Raster einer RUNDSCHAU-Seite aufgebracht. Auf diesen Raster wurde ein leeres Blatt Papier befestigt und darauf die »Zeitungsschnipsel« aufgeklebt. Das alles fand im Abstellraum der Privatwohnung Neurauter statt. Die dazugehörigen Titelzeilen wurden auf einem vorsintflutlichen Gerät produziert: Durch einen dünnen Sehschlitz suchte man auf einer Buchstabenschablone die gewünschten Buchstaben aus und belichtete sie auf Fotopapier. Die Kunst war, den richtigen Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben einzuhalten. Die fertig ausbelichtete Titelzeile wurde dann ausgeschnitten und über dem Artikel eingeklebt. (zitiert aus: „38 Jahre – ein Blick“ zurück von O. Crepaz)
Der Weg zur PZ
Die weitere Entwicklung der Zeitung nach den technischen Problemen der Anfangsjahre ist rasch erzählt. Mit der Bestellung von Othmar Crepaz zum Leiter der neu gegründeten BTV-Filiale Leutasch 1977 wurde Claudia Ernstreiter zu dessen Nachfolgerin. Ab 1979 erschien die Rundschau monatlich.
Als Ernstreiter 1992 zu Radio Tirol und zu »Tirol heute« wechselte, übernahm Margarethe Neurauter die Redaktionsleitung. Die Rundschau wurde bunter und dicker – insbesondere nach Juli 1993, als man den Raum Mittenwald-Wallgau-Krün als Auflagegebiet entdeckte. Neurauter verließ 1996 aus privaten Gründen die Rundschau und so war für Kurt Neurauter klar, dass die ehemals so beliebte Zeitung nur mehr durch einen raschen Verkauf zu retten war.
Der WestMedia-Verlag stieg ein und Othmar Crepaz kam zurück ins Team. Mit einem völlig neuen Layout musste er ab sofort alleine die Zeitung erstellen. Da die Erträge von Lokalzeitungen durch immer größere Kosten schrumpften, suchten die Telfer Verleger strategische Partner. Die Oberländer Verlags GmbH. entstand, und die Moser Holding stieg ein. Als Crepaz 2010 in Pension gehen wollte, konnte für den zeitaufwendigen Job kein Nachfolger gefunden werden, was zum Verkauf des Titels „Rundschau“ führte.
Da die Oberländer Rundschau zu diesem Zeitpunkt ein tirolweites Medium plante, brachte Bernhard Rangger, der seit einigen Jahren am Seefelder Plateau erfolgreich den Lokalfernsehsender „Seefeld-TV“ betrieb, die Plateauzeitung heraus – mit dem bestehenden Layout, den selben Inhalten und den treuen Kunden der Rundschau. Josef Hornsteiner und Lisa Thurner wurden als zusätzliche Redakteure für das Medium gewonnen. Seit 2017 leitet Rangger aber wieder alleine das Blatt.
Durch die Corona-Lockdowns landeten zwei Jahre lang kaum Vereinsberichte in der Redaktion. Die wirtschaftlichen Erträge gingen um ein knappes Drittel zurück. Obwohl heuer die Inflation die zusätzlichen Einnahmen nach Abflauen der Corona-Krise ebenfalls aufzufressen drohte und das gewohnte Papier nicht mehr zur Verfügung stand, entschied man sich, die Druckerei zu wechseln und auf eine kostengünstig Rotationsdruckmaschine umzusteigen. Für die Jubläumszeitung konnten wir dieses Mal ein etwas besseres Papier erhalten. Ab kommendem Jahr soll wieder rein weißes Papier für die Zeitungsproduktion zur Verfügung stehen.

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