Start Allgemein Technical Center wurde für Loipenfahrzeuge errichtet

Technical Center wurde für Loipenfahrzeuge errichtet

Mehr als eine Woche, nachdem die Plateauzeitung bei der Presseabteilung des Sportministeriums eine Anfrage eingereicht hatte, regierte diese mit einem völlig allgemeinen Statement. Alt-Bgm. Werner Frießer stellte hingegen klar, dass er sich stets um Gespräche mit den Vertretern des Bundes bemüht habe. Von Anfang an waren diese in die Planungen der Sportstätten involviert und schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass der TVB für die Nachnutzung des Technical Centers zuständig war. Es gibt einen Fördervertrag, in dem es nicht um ein Verkaufsverbot der Sportanlagen geht sondern ausschließlich um die Nachnutzung.
Als die Plateauzeitung von den WM-Gelder-Rückforderungsabsichten der Bundesfinanzprokuratur vor nunmehr knapp zwei Wochen erfuhr, riefen wir umgehend Sportsektionschef Philipp Trattner im Sportministerium an. Trattner am 2. Feber zur PZ: “Da die Frist zur Beantwortung des Fragenkatalogs läuft, ersuche ich Sie beim zuständigen Pressesprecher Manfred Behr anzurufen. Sie können sich auf mich berufen und werden umgehend eine Antwort auf Ihre Fragen erhalten!”.
Telefonisch wollte uns Behr allerdings keine Auskünfte erteilen. Wir sollen ihm unsere Fragen schriftlich senden. Also baten wir ihn so rasch als möglich per Email aufzuklären, wie der genaue Vorwurf lautet, den das Bundesministerium der Gemeinde Seefeld bzw. dem TVB anlastet? Wer blieb dem Bundesministerium Auskünfte über die Transaktion des Technical Centers von der Gemeinde an den Tourismusverband schuldig? War es der TVB, die Gemeinde oder vielmehr die Tatsache, dass es vor der WM fünf verschiedene Sportminister gab? Der Bund förderte den Bereich “Loipenausbau und Beschneidung mit Speicherteich” mit 1,7 Mio. Euro. Wie stellte sich das Ministerium die Weiterverwendung und Instandhaltung dieser Infrastruktur vor. Gab es Planungen, Verhandlungen oder Abmachungen? Inwieweit waren LH Günter Platter und LH-Stv. Josef Geisler in die Förderabwicklung involviert? Hatte nicht auch das Land Tirol die Seefelder WM-Finanzierung geprüft, bevor sie Förderungen auszahlte?
Obwohl Behr wusste, dass wir innerhalb eines Tages eine Antwort benötigen, erhielten wir diese erst am 10. Feber: “Ich ersuche um Verständnis, dass das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport zum jetzigen Zeitpunkt, zu dem die Frist für die Beantwortung des Fragenkatalogs noch läuft, nur auf dieses Statement verweisen kann:
‘Das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) hat unter Beiziehung der Finanzprokuratur ein Nachfrageverfahren im Zusammenhang mit der Bundesförderung für die Nordische Ski-WM 2019 in Seefeld eingeleitet. Im Rahmen der Förderung wurden vom Sportministerium in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt acht Millionen Euro an die WM-Sportanlagen Seefeld Tirol GmbH ausbezahlt. Die Gesellschaft steht indirekt zu 100 % im Eigentum der Gemeinde Seefeld.
Die Hinweise, dass wesentliche Bedingungen des Fördervertrags nicht erfüllt sind, ergaben sich in einer nachgängigen Prüfung durch das BMKÖS. Diese betreffen die finanziellen Beiträge, die vom Tourismusverband Olympiaregion Seefeld als Voraussetzung für eine Förderung durch den Bund zu leisten waren, aber nicht nachgewiesen werden konnten. Darüber hinaus prüft das BMKÖS, ob der spätere Eigentumsübertrag einer geförderten Einrichtung an den Tourismusverband Olympiaregion Seefeld den vertraglichen Voraussetzungen entspricht. Das Land Tirol und die Gemeinde Seefeld als weitere Fördergeber wurden über die Prüfung informiert.
Die WM-Sportanlagen Seefeld Tirol GmbH ist nun aufgefordert, bis 23. Februar 2023 zum Sachverhalt Stellung zu nehmen. Sollten die Zweifel an der Erfüllung der Fördervoraussetzung nicht ausgeräumt werden, kann das eine Rückforderung der Förderung zur Folge haben. Die Entscheidung darüber wird auf Basis der Stellungnahme, einer Prüfung etwaig übermittelter Unterlagen und gegebenenfalls weiterer Schritte in Rücksprache mit der Finanzprokuratur getroffen.”
Das hatten wir doch alles schon am 1. und 2. Feber in diversen Tagesmedien gelesen und gehört? Warum wurde das Statement also eine ganze Woche zurückgehalten. Auch auf diese Frage harren wir seither einer Antwort.
Gesprächiger zeigte sich auf unsere Anfrage hingegen Bgm. Werner Frießer: Ihm sei es in den zwei Jahren nach der WM ähnlich ergangen wie Bgm. Markus Wackerle. “Ich habe Frau Schwarz Viechtbauer und Herrn Philipp Trattner mehrfach mündlich, schriftlich und per email zu Gesprächen in Seefeld eingeladen, ihnen aber auch vorgeschlagen, persönlich nach Wien zu kommen. Doch auch ich habe keinen Termin im Sportministerium erhalten, um die offenen Fragen zu klären.”
Frießer erklärt sich bereit, gemeinsam mit dem neuen Gemeinderat alle Fakten und Tatsachen auf den Tisch zu legen: “Bereits in der Planungsphase war der zuständige Architekt für den Sportstättenbau vom Bundesministerium involviert und hat unter anderem daran mitgewirkt, dass wir die Decke des Technical Centers so ausgelegt haben, dass man es für den Tourismusverband aufstocken könne. Als wir 2017 mit dem damaligen Sportminister Hans-Peter Doskozil die in Bau befindlichen WM-Stätten besuchten, wurde einen halben Tag lang über die Nachnutzung der WM-Anlagen gesprochen und er eröffnete uns dann beim gemeinsamen Essen im Golf-Restaurant, dass seine Beamten nicht für alle Anlagen sondern nur zu einem Ausmaß von 8,9 Millionen Euro einen Förderbedarf errechnet hätten. Der Fördervertrag kam erst wenige Monate vor der WM. In dem Vertrag wurde festgehalten, dass die Nachnutzung der Gebäude gesichert werden müsse. Es ging darin also nicht um einen allfälligen Verkauf, der ja nur zwischen zwei öffentlichen Körperschaften stattgefunden hat, damit die Nachnutzung sichergestellt ist. Und wie alle wissen, fuhren bei der WM die Loipenpräparierungsgeräte des TVB aus diesem Gebäude auf die Loipen und tun dies heute noch!”
TVB-Geschäftsführer Elias Walser sieht das ähnlich: “Wir vom TVB haben uns in insgesamt 21 Aufsichtsratssitzungen mit dem Thema WM beschäftigt und bei unserem Finanzierungsanteil immer die Nachnutzung im Fokus gehabt. Drei Mio. Euro war der Beitrag zu den Sportstätten, eine Mio. für die WM-Bewerbung. Möglicherweise war Werner Frießer zum Zeitpunkt überfordert, als er den Vertrag aus Wien endlich bekam. Es waren noch Baustellen nicht fertig, viele involvierte Personen krank oder hatten gerade ihre Job gewechselt. Leider haben wir den WM-Fördervertrag nie in Kopie ausgehändigt bekommen, sonst hätten wir vermutlich das jetzige Missverständnis schon 2018 ausgeräumt. Wir können aber mit erhobenem Haupt feststellen, dass weder getrickst noch etwas vertuscht wurde und bis heute alle WM-Bauten so verwendet werden, wie es die Bestimmungen für die WM vorsahen. So präparieren wir heute noch täglich den steilen Norwegeranstieg, obwohl er nur von ganz wenigen Spitzenlangläufern genutzt wird.”

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