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Ölschieferabbau im Karwendel

Am Interreg-Projekt „Ölschiefer-Bergbau im Karwendel“ nehmen die Gemeinden der Alpenwelt Karwendel und der Tourismusregion Olympiaregion Seefeld teil. Leadpartner ist die Gemeinde Reith. Untersucht wird die Bedeutung der Gewinnung von Steinöl im Laufe der Geschichte.

Bereits im 14. Jahrhundert wurde von ansässigen Bauern Steinöl gewonnen. Sogenannte Dirscheler oder Öltrager gingen mit ihrer Ware hausieren und betrieben mit dem Heilmittel Tauschhandel. Dirschenöl, Schieferöl oder Bergöl – der Volksmund kennt verschiedene Namen für die stark nach Asphalt riechende Medizin.

Es war als Wundermittel für Mensch und Tier aus dem Alltag kaum wegzudenken. Durch den hohen Gehalt an organisch gebundenem Schwefel wirkt es entzündungshemmend und fördert den Heilprozess im Gelenks- und Wundbereich.
Abgebaut wurde das ölhaltige Gestein im Ölgraben (zwischen Wallgau und Vorderris) sowie in Reith, wo bis 1964 die Ichthyol-Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co aus Hamburg erfolgreich ein Bergwerk betrieb. Bis heute wird dort die Grundsubstanz für zahlreiche Arzneimittel hergestellt.

Die Gewinnung von Steinöl hat die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst und bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Umkreis von Seefeld ein bedeutender wirtschaftlicher Aufschwung beobachtet. Zwar gibt es seit den 1960er-Jahren keine aktiven Bergleute mehr, aber in vielen Familien besteht zu diesem Berufszweig eine historische Verbindung. Ziel des Projekts ist es daher, diese gemeinsame Geschichte fundiert und wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Das Interreg-Projekt wird bis 31. März 2022 abgeschlossen. 75 Prozent der Gesamtkosten werden mit Interreg-Mittel gefördert.

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