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Abwerzger: „Zurück zur Normalität!

Tirols FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger verbringt viel Freizeit am Seefelder Plateau. Zufällig trafen wir ihn bei einem Spaziergang in Mösern und nützten die Gelegenheit für das folgende Interview.
PZ: Seit einem Jahr gibt es eine FPÖ Ortsgruppe Seefelder Plateau. Wie sind Sie mit deren Arbeit zufrieden?
Abwerzger: Obwohl in der derzeitgen Situation keine Veranstaltungen möglich sind, hat sich die junge Gruppe um Ortsobmann Thomas Leppert und Bettina Moncher sehr gut entwickelt. Vor allem in den Sozialen Netzwerken haben sie einen sehr guten Auftritt aufgebaut und unsere politische Zielausrichtung sind die Gemeinderatswahlen 2022. Wir bereiten eine starke Kampagne dafür vor, um die Inhalte und Angebote weithin publik zu machen.
PZ: In der Olympiaregion Seefeld setzten die Verantwortlichen schon vor Corona auf naturnahen Tourismus. Hat der Tourismus am Plateau gar eine Vorbildfunktion für die Zukunft des Alpentourismuses?
Abwerzger: Es ist der richtige Weg, dass die Olympiaregion einen nachhaltigen Tourismus verfolgt und dieser wird auch vom Klientel, das sich hier aufhält, gut aufgenommen. 25 Prozent der Tiroler Wertschöpfung ist auf den Tourismus zurückzuführen und 25 Prozent der Beschäftigten arbeiten in dieser Branche. Um diesen hohen Stellenwert zu erhalten, braucht es sanften Tourismus bis hin zum Ballermann. Auch die Gäste von Ischgl und Sölden kommen genau wegen dem Angebot, das sie dort vorfinden. Die Geschehnisse dort rund um die Corona-Krise waren durch die Behörden gemacht und nicht durch den Tourismus. Wir müssen auch künftig diese Vielfalt erhalten und nicht das touristische Angebot kürzen. Das hätte fatale Auswirkungen auf die Tiroler Wirtschaft.
PZ: Wegen Corona kam es am 13. März zum Shutdown. Wären Sie Landeshauptmann gewesen, wie hätten Sie entschieden?
Abwerzger: Die Situation Anfang März war nicht einfach und ich habe daher am Beginn auch LH Platter gedankt, wie er in dieser schwierigen Phase reagiert hat. Insbesondere, als am 25. Feber in Innsbruck die ersten beiden Corona-Fälle bekannt wurden, wurden alle Kontaktpersonen sofort getestet. Als aber am 5. März eine Warnung der isländischen Regierung einfach ignoriert wurde, war das Krisenmanagement der Tiroler Behörden katastrophal. Da kann ich auch LH Platter nicht ausnehmen, inbesondere die Reaktionen von Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber und LR Bernhard Tilg, auch gegenüber den Medien, waren katastrophal und hätten auch zu Rücktritten führen müssen.
PZ: Bewerten Sie als Anwalt die Corona-Maßnahmen und die damit verbundenen Eingriffe in die Freiheit der Bürger anders als in Ihrer politischen Funktion?
Abwerzger: Fast noch schärfer, weil viele polizeiliche Übergriffe auch von meiner Kanzlei aufgearbeitet werden müssen. Über eine Frau mit Thrombosen wurde zum Beispiel während der Ausgangssperre eine Busgeldstrafe verhängt, weil sie spazieren musste und das Haus verlassen hat. Solche Verwaltungsverfahren gehören eingestellt und die Strafen sollten allen betroffenen Bürgern zurückgezahlt werden. Außerdem forderte ich dazu auf, jegliche Panikmache einzustellen, indem man den Menschen wie Verbrechern Apps unterzujubeln versucht.
PZ: Wie stehen Sie zur Maskenpflicht?
Abwerzger: Bei einer sehr hohen Durchseuchung können Masken durchaus einen Sinn machen, aber nicht bei 20 Infizierten in Tirol und 600 in ganz Österreich. Da ist es wahrscheinlicher, dass man in Tirol von einer Kokosnuss erschlagen wird. Die Abstandsregeln sind weiterhin gut. Masken sollten in sensiblen Situationen wie in Kliniken oder Altersheimen getragen werden, sonst nicht.
PZ: Was sind ihre Vorschläge, um zur Normalität zurückzukehren?
Abwerzger: Grundsätzlich müssen wir den Bürgern jetzt mehr zutrauen, weil sie sich ja auch in der schweren Zeit an strenge Maßnahmen gehalten und dabei viel gelernt haben. Neben den Abstandregeln sollte man auch weiter aufs Hände waschen hinweisen, da es speziell im Winter vor einer Grippewelle schützt.
PZ: Wie beurteilen Sie die Perspektiven für den Tourismus?
Abwerzger: Wenn die Grenzen jetzt geöffnet werden, dürfte der Schaden für den Sommertourismus nicht allzu groß ausfallen. Im Winter befürchte ich, dass der mediale Totalsupergau der Marke Tirol nachhaltigen Schaden zugefügt hat. Wir haben aber in allen Tourismusorten viele Stammgäste, sodass ich an eine Erholung im Jahr 2021 glaube. Für die Zeit davor haben wir im Landtag Hilfspakete geschnürt, die dann hoffentlich auch bei den Touristikern ankommen.
PZ: Welche Personen haben Sie in der Krise besonders beeindruckt?
Abwerzger: All jene Tiroler, die in den betroffenen Quarantänegebieten besonders lang festsaßen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass sich diese so diszipliniert verhalten.
PZ: Wer hat Sie besonders enttäuscht?
Abwerzger: Kanzler Kurz und sein Regierungsteam. Wir haben uns ja inzwischen in die Protokolle des Krisenstabs eingelesen und wissen, wie die mit der Angst der Bevölkerung gespielt haben. So macht man keine Politik!
PZ. Danke für das Gespräch.

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