Start Allgemein Hat Seefeld 60 Mio. Schulden?

Hat Seefeld 60 Mio. Schulden?

Gleich in zwei Gemeinderatssitzungen ging es zuletzt um die Gesamtverschuldung der Gemeinde Seefeld. GR Sepp Kneisl: „Wenn ich die Schulden und Haftungen der Gemeinde Seefeld und aller ihrer Wirtschaftsbetriebe zusammen zähle, komme ich auf eine Gesamtsumme von fast 60 Mio. Euro. Wie sieht es mit der Liquidität aus?“
Bgm. Werner Frießer beantwortete die Frage nicht. Er meinte: „Auch ich kann nicht Kaffeesud lesen. Wir strampeln finanziell vor uns hin. Es gibt bis dato keinen Ansatz des Landes Tirol, wie es touristischen Gemeinden wie Seefeld angesichts der Corona-Krise helfen will. Auch vom Ministerium bekam ich wegen der ausstehenden 23 Mio. WM-Gelder (Land und Bund, Anm. der Red.) nur die Auskunft, dass unsere Ordner, die wir zur Überprüfung nach Wien geschickt hatten, bis dato unbehandelt liegen geblieben sind. Die zuständigen Beamten wurden wegen Corona ins Homeoffice geschickt. Dort hatten sie auf die Akten keinen Zugriff.“
Einen Erfolg konnte Frießer schließlich bei der zweiten Sitzung am 22. Juni vermelden: „LR Tratter hat statt der 187.000 Euro, die wir aus der Coronahilfe des Bundes für die Gemeinden erhalten hätten sollen, den Zuschuss auf 500.000 Euro erhöht. Ich hab auch mit dem Landeshauptmann gesprochen und ihm die finanziellen Probleme der Tourismusgemeinden erklärt. So wie es aussieht, werden wir über einen längeren Zeitraum wesentlich weniger Geld als in den letzten Jahren einnehmen!“
Die Jahresrechnung sah jedenfalls vielversprechend aus: Bei einem ausgeglichenen außerordentlichen Haushalt über 800.000 Euro verzeichnete man im ordentlichen Haushalt Einnahmen in der Höhe von 20,3 Mio. Euro und Ausgaben in der Höhe von 19,5 Mio. Euro. Unter dem Strich blieb also ein positives Jahresergbenis von 800.000 Euro!
Die Gesamtschulden ohne Rosshütte bezeichnete Frießer mit 36 Mio. Euro. Mario Marcati wollte eine Gegenüberstellung der jährlichen Tilgungen gegenüber den Einnahmen. Dazu Frießer: „Da wir heuer viele außerordentliche Projekte wie die Volksschulsanierung umgesetzt haben, waren die Einnahmen mit 20 Mio. relativ hoch. Normalerweise liegen wir bei 15 bis 16 Mio., nach Corona vermutlich noch tiefer. Der laufende Schuldendiest beläuft sich auf drei Mio. Euro.“
Bei der Abstimmung über die Jahresrechnung (einstimmig), bei der der Bürgermeister den Saal verlassen musste, gab es schließlich viel Lob für das Zahlenwerk des Vorjahres. Überprüfungsausschußobmann Alexander Schmid warnte aber vor zu großem Optimismus: „Viele Einnahmen fallen weg. Wir müssen uns im Klaren sein, dass die schweren Zeiten erst kommen!“ GR Kneisl: „Ich stimme der Jahresrechnung natürlich zu, verlange aber eine komplette Aufstellung aller Verbindlichkeiten und eine gemeinsame Sitzung mit den Geschäftsführern der Gemeindebetriebe und dem Tourismusverbandsaufsichtsrat. Dort müssen alle Zahlen und alle Beschlüsse auf den Tisch, damit wir einmal genau wissen, wo wir finanziell stehen!“

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