Start Allgemein Tourismusverband sieht der Öffnung optimistisch entgegen

Tourismusverband sieht der Öffnung optimistisch entgegen

Genau vor einem Jahr berichtete die Plateauzeitung darüber, wie die Olympiaregion Seefeld nach dem harten Corona-Lockdown in drei Phasen zum Normalbetrieb hochfahren will. Nach einem guten Sommer folgten sechs Monate neuerliche Schließung. Eine ganze Wintersaison fiel flach. Nunmehr hat die Regierung angekündigt, ab 19. Mai wieder Lockerungen zuzulassen. Wir haben daher die Gelegenheit genutzt und uns beim Vorstand und GF Elias Walser über die Aufsperrschritte erkundigt.
Über eines sind sich alle vier Interviewpartner von vorne­herein einig: „Der Sommer im Vorjahr war überraschend gut. Es kamen viele neue Gäste. Neben Winterurlaubern, die im Vorjahr erstmals Seefeld im Sommer erlebten, waren es auch viele Mittelmeer- & Ferndestinationen-Urlauber, die das Berggehen entdeckten“, meint etwa Vorstand Markus Daschil. Christian Wandl ergänzt: „Das Thema Mobilität stand im Mittelpunkt. Die Leute suchten nach einem Ersatz für den Flieger und wollten rasch wieder nach Hause kommen!“

Strategie hat sich bewährt. Obmann Alois Seyrling: „Unsere neue Marketingstrategie, nur noch im Umkreis von 500 Kilometern zu werben, ging voll auf. Es kamen auch immer mehr junge Leute nach Seefeld!“ GF Elias Walser: „Man merkte eine deutliche Verschiebung vom Reisebüro- hin zum Individualtourismus. Österreich und der Bergurlaub bekamen einen deutlichen Aufwärtstrend!“
Das führt zu sehr viel Optimismus fürs heurige Jahr. Daschil: „Viele neue Kunden haben die Olympiaregion entdeckt und wir erwarten heuer daher viele Rückkehrer aus dem Vorjahr!“
Alle vier sind sich einig, dass man auch den Herbst mit den neuen Reisewarnungen gut genutzt hat. Walser: „Wir haben sofort eine Teststraße eingerichtet und eine App entwickelt, die nach Geschäfts- oder Restaurantbesuchen eine Nachverfolgung ermöglicht. Damit waren wir eine Vorbildregion für ganz Tirol.“

Budget 60 Prozent gekürzt. Ab 3. November begann dann der nächste Lockdown. Das Budget musste um 30 Prozent gekürzt werden. Da den ganzen Winter über nicht aufgesperrt werden konnte, musste in mehreren Etappen der Haushaltsrahmen eingeschränkt werden. „Derzeit rechnen wir noch mit knapp 40 Prozent eines normalen Jahresbudgets“, so Walser. Teile des Personals mussten in Kurzarbeit geschickt werden. Andere Abteilungen hatten durch das ständige Umplanen sogar Mehrarbeit.
Der Geschäftsführer weiter: „Wir haben leider viel für die Mülltonne geplant, zum Beispiel die geplante Öffnung zu Weihnachten, dann Mitte Jänner und dann für Ostern. In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch bei allen Mitarbeitern für ihre große Flexibilität bedanken, die sich statt ihres normalen Jobs bereit erklärten, in anderen Bereichen einzuspringen und anzupacken. Viele haben da ein ganz anderes Zugehörigkeitsgefühl zum Betrieb entwickelt und auch ein Verständnis für andere Abteilungen bekommen, weil sie vor Ort bei den Kunden mit den Problemen ihrer Kollegen konfrontiert waren.“
Auch die Betriebe am Plateau haben während der langen Schließungszeit sich nicht zurück gelehnt und nichts gemacht, sondern an ihrer Weiterentwicklung gearbeitet. Einige haben in ihre Betriebe investiert, andere stellten sich die Frage nach neuen Konzepten. Bei der heimischen Bevölkerung sammelte man viel Lob dafür, dass man die Langlaufloipen und Winterwanderwege weitgehend während des gesamten Winters offen gehalten hatte. Seyrling: „So viel Lob haben wir noch nie für die gut präparierte Infrastruktur erhalten wie in diesem Winter. Die Leute waren extrem dankbar, dass sie am Plateau soviel Freizeitangebot vorfanden.“

200.000 für Öffnungswerbung. Da die Regierung für Mitte Mai Öffnungsschritte angekündigt hat, verspricht man für die Zeit ein gemeinsames Vorgehen mit Vollgas. So hat man einen eigenen Marketingplan entwickelt: 200.000 Euro sollten gemeinsam mit vielen Betrieben in die Werbung gesteckt werden, um kurzfristig den Leuten mitzuteilen, dass wieder geöffnet ist. Unter dem Motto „Echt gute Aussichten“ wird man alle Werbekanäle bedienen und mittels gemeinsamer E-Mail- und Social Media-Bomben von Tvb und den Hotelbetrieben sollen alle potentiellen Kunden darauf aufmerksam gemacht werden, dass es sich wieder lohnt, in die Olympiaregion zu kommen. Neben dem ohnehin geöffneten Handel werden die wichtigsten Infrastrukturbetriebe wie Casino, Bergbahnen, Schwimmbäder, Hütten und Restaurants öffnen und auch die meisten Hoteliers sperren auf. Die Chancen stehen also gut, dass aufgrund der Feiertage auch viele Gäste kommen werden.
Zusätzlichen Auftrieb für die Eröffnung erwartet man sich von den Deutschen und Österreichischen Fußballnationalteams, die sich hier Ende Mai und Anfang Juni auf die EM vorbereiten bzw. von Seefeld zu den EM-Spielen pendeln werden. Seyrling: „Die kommen marketingtechnisch gesehen zum idealen Zeitpunkt. Da erhoffen wir uns ganz viel Auftrieb!“ Wandl: „Auch deswegen sehen wir dem Sommer extrem positiv entgegen. Es spricht vieles dafür, dass die Gäste aus unseren Kernländern kommen und, da man im Herbst mit einer hohen Durchimpfung rechnet, wird sich auch diese Jahreszeit positiv entwickeln.“

Fahren auf Sicht. Trotz aller Euphorie möchte der Vorstand auch während der Sommermonate auf Sicht fahren: „Wir treffen uns alle 14 Tage zu Besprechungen. Die Pandemie hat uns gelehrt, dass man stets wachsam sein muss. Wir überlegen jetzt schon, wie wir weiterhin Vorzeigeregion bleiben und bereiten uns auf die kalte Jahreszeit vor“, so Daschil.

Angebote angepasst. Für den Sommer hat man jedenfalls einiges vorbereitet: In organisatorischer Hinsicht wurden Pandemiehinweise (auf Abstand halten, Masken- und Testpflicht), Regelungen (zum Beispiel für die Bushaltestellen), Empfehlungen und die Regionsapp „Tracy“ entwickelt. Walser: „Es wäre schön, wenn alle in der Region diese App verwenden, denn sie hilft den Betrieben bei Behördenkon­trollen und erspart Kunden das Ausfüllen von Formularen für die Kontaktverfolgung!“
Darüber hinaus wurde das Erlebnisprogramm weiter ausgebaut und der Fokus noch mehr auf Naturerlebnisse ausgerichtet. Auch eine Covid-Teststraße für Gäste soll eingerichtet werden.
Seyrling abschließend: „Die Pandemie hat uns gezeigt, dass Nachhaltigkeit immer wichtiger wird. Auch unser „Echt.Nachhaltig-Konzept“ zeigt in diese Richtung und wir müssen uns dahingehend weiterentwickeln. Unsere Gäste werden es uns danken, wenn unsere Beherbergungsbetriebe lokal einkaufen, auf ihren ökologischen Fußabdruck achten und authentisch ihren Kunden begegnen. Jeder Betrieb sollte sich bemühen, Rohstoffe, Energie, Müll und Abgase zu verringern. Die Olympiaregion hat da den richtigen Weg eingeschlagen. Unsere Gäste werden dies schätzen und uns dabei unterstützen, diesen Kurs zu halten!“
Walser bestätigt
Am Ende überraschen die drei Vorstände noch mit einer Neuigkeit: Geschäftsführer Elias Walser ist nun bald fünf Jahre bei der Olympiaregion. Da sein Vertrag heuer ausgelaufen wäre, hat er den Wunsch geäußert, sich dauerhaft in der Region niederzulassen. Deshalb hat man sich auf ein neues, unbefristetes Dienstverhältnis geeinigt.

Optimismus nötig!
Ein bisschen fühlt man sich nach mehr als einem Jahr Pandemie und den ständigen Lockdowns wie ein leeres Smartphone ohne Ladekabel. Und gerade deshalb ist es jetzt nötig, alle mentalen Ressourcen auszuschöpfen und die Hoffnung zu wecken, dass alles vorbeigeht. Angesichts der bevorstehenden ersten Öffnungsschritte müssen wir Optimismus tanken: Es kommen wieder erste Gäste aufs Plateau und die Vorzeichen für eine gute Saison sind vielversprechend. Die Olympiaregion hat eine große Werbeoffensive angekündigt. Die Fußballnationateams aus Deutschland und Österreich werden das ihre dazu beitragen, das Interesse während der Europameisterschaft auf unsere Region zu lenken.
Es klingt banal, aber wir brauchen die Zuversicht, dass das Ende der Pandemie immer näher rückt! Mehrere Menschen treffen, Essen, ins Kino gehen und Reisen – eben ein Leben annähernd so führen, wie wir es kannten, wird wahrscheinlich schon in diesem Sommer möglich sein. Und damit wird auch der Tourismus in der Karwendel- und Wettersteinregion wieder Flügel bekommen.

Bernhard Rangger

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