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Börse: Was passiert als nächstes?

Wenn jemand etwas über Wertpapierbörsen zu sagen hat, dann ist es Markus Koch. Auf Einladung der Raiffeisenbanken des Seefelder Plateaus, Telfs-Mieming, Kematen und Westliches Mittelgebirge sowie der DJE Kapital AG sprach der wohl bekannteste Börsenjournalist über die Entwicklungen auf den Aktienmärkten.
„Wir befinden uns immer noch in einem etwas schwierigen Umfeld“, beurteilt Markus Koch die augenblickliche Wirtschaftslage. Am besten lässt sich die Situation mit einem stark gestrafften Gummiband beschreiben, das hin- und herschnellt, sobald man es loslässt.
Bis vor zwei Monaten hatten wir trotz der Pandemie ein Börsenumfeld, in dem alles immer besser wurde. Dies ist der aggressiven Fiskal- und Geldpolitik zu verdanken, mit der sich die Wirtschaft sehr schnell von ihrem Einbruch erholen konnte. Jetzt sehe man aber an den Kursschwankungen, dass die monatelange Euphorie schwindet. Als Grund dafür nennt Markus Koch das gleichzeitige Aufeinandertreffen unterschiedlicher Strömungen. Das wären zum einen politische Risiken, die er zur Zeit gleich auf drei Kontinenten ausmacht. In Washington streite man sich über die Anhebung der Schuldendecke und um Joe Bidens überdimensionierte Konjunkturprogramme. Deutschlands Parteien zanken sich, mit wem wohl die beste Koalition zu machen ist und in China belasten tiefgreifende Wirtschaftsregulierungen. Dazu kommen eine Immobilienkrise, eine äußerst strikte COVID-Politik und zunehmende Stromrationierungen. Für das 3. Quartal wird für Chinas Wirtschaft erstmals ein Nullwachstum erwartet.
Neben den politischen Risiken belasten auch die Aussagen der US-Notenbank den Markt. Man werde wohl noch in diesem Jahr, spätestens im Januar die Geldpolitik zwar nicht bremsen, aber den Fuß leicht vom Gaspedal nehmen. Denn die hohen Inflationszahlen sind für Markus Koch nur von vorübergehender Natur. Sie werden wieder sinken, sobald sich die derzeitigen Lieferungs- und Angebotsengpässe auflösen. Geld sei genug vorhanden, um die aufgestaute Nachfrage nach Produkten befriedigen zu können. Achtgeben müsse man freilich auf die Lohn- und Mietpreisentwicklung, denn von hier könnten mittel- bis langfristig höhere Inflationszahlen kommen.
Sicher sei, dass die zuletzt unglaublich hohen Staatsausgaben zurückgeschraubt und im nächsten Jahr fehlen werden. In den USA rechnet man mit dem stärksten Rückgang der Staatsausgaben seit 1946, was zu einem Rückgang der US-Wirtschaft um drei Prozent führen wird.
Die Phase, in der auf jede Gewinnschätzung steigende Gewinne folgten, was wiederum zu steigenden Gewinnschätzungen führte, dürfte vorerst vorbei sein. Jetzt spekuliert man, dass die Unternehmensgewinne doch nicht mehr so hoch ausfallen könnten und man die Schätzungen revidieren muss. Die Euphorie verliert an Stärke. Trotzdem ist der Börsenfachmann für die kommenden Jahre optimistisch.
Die Gewinne der US-Unternehmen haben schon wieder das Niveau von 2019 erreicht. Den elf Mio. offenen Arbeitsplätzen stehen nur 8,7 Mio. Arbeitslose gegenüber und das in der Pandemie aufgesparte Geld wird wieder in die Wirtschaft drängen und für einen Konsumschub sorgen.
In den nächsten zehn Jahren werden wir seiner Meinung nach die innovativste Phase der letzten 20 Jahre erleben. Es sei unglaublich viel Geld im Umlauf, mit dem jedes Projekt finanziert werden kann. Auch wenn die Hälfte aller Ideen wieder verschwinden wird, so bleibt die andere Hälfte bestehen und diese wird unsere Welt verändern.
In welchen Aktien man jetzt am besten anlegen kann, verriet der Börsenexperte aus New York nicht. Man soll auf alle Fälle genau hinschauen, zwischen den Zeilen lesen, sich genau überlegen, was man macht, und seine Anlage so breit wie möglich streuen. Unterstützung dafür finden Anleger bei den Beratern in ihrer Raiffeisenbank.

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