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ORF recherchierte am Camp-Alpin

Ziemlich genau vor einem Jahr sorgten illegal errichtete Mobile-Homes am Leutascher Campingplatz und 620 Unterschriften der Petition „Campingplatz ja – Chalets und Investorenmodelle nein“ auf der Plattform „mein.aufstehn.at“ für breite Ablehnung am Plateau. Vor wenigen Tagen war ein ORF-Film-Team im heftigen Schneetreiben auf den beiden Campingplätzen.
Am-Schauplatz-Redakteurin Nora Zoglauer erklärte, dass Chalet für sie das „Unwort des Jahres“ sei. Aus ihrer Sicht betreiben Campingplatzbesitzer mit Mobile-Homes und Chaletdörfern einen „Ausverkauf der Heimat“. Am 17. Feber 2022 wird sie zu diesem Thema eine „Am Schauplatz“-Schwerpunktsendung gestalten und hat dazu kürzlich auch die Campingplätze in Seefeld und Leutasch besucht. Unter anderem hat sie dort LA Markus Sint von der Liste Fritz und die beiden Vertreter der Camping Petition Seefeld, Ingrid Norz und Bettina Moncher, interviewt, die darauf hoffen, dass der Seefelder Camp-alpin ein Campingplatz ohne zusätzliche Appartments bleibt.
Sint gegenüber dem ORF: „Ich kann mich über solche Projekte nur ärgern. Wir reden davon, andere Wege im Tourismus einzuschlagen, eben hin von Quantität zur mehr Qualität, und dann kommen solche Projekte auf den Tisch. Da werden 41.000 Quadratmeter, zum Teil schönster Wald, für eine Ferienanlage samt Campingplatz verbaut und die Gemeinde Seefeld unterstützt das Ganze mit 6000 Quadratmetern Grund. Ich hoffe, das letzte Wort ist da nicht gesprochen“
Bettina Moncher, die sich vehement gegen den „Ausverkauf der Heimat“ einsetzt, zeigt sich sehr verwundert, dass weder VBgm. Markus Wackerle noch Betreiber Loek Beuker der ORF-Einladung Folge leisteten und meint: „Wir haben eine zum Teil sehr finanzkräftige holländische Community in Seefeld, die neben dem Camp-Alpin auch am Gschwandtkopf und in der Kirchwaldsiedlung Immobilien gekauft hat. Die sehen das als Kapitalanlage und werden nicht davor zurückschrecken, bei entsprechender Rendite auch Freizeitwohnsitze zu schaffen. Wir werden also alles daran setzten, dass der Campingplatz erhalten bleibt, und dass nur die bereits gewidmeten Flächen verbaut werden.“
Ingrid Norz ergänzt: „In Seefeld gibt es eine große Kluft zwischen jener kleinen Gruppe an sehr reichen Menschen, und jenen, die sich kein Zuhause leisten können. Es wäre also sinnvoll, wenn die Gemeinde die 6000 Quadratmeter Grund günstig an wohnungssuchende Seefelder verkaufen würde!“
Das Schauplatzteam fuhr für seinen Bericht schließlich weiter zum Seefelder Hexenhäusl und zum Tirol Camp Leutasch, wo Europarcs im Vorjahr Mobile-Homes im Internet vermarktet und zum Teil auch schon errichtet hat. Die PZ konnte das Team wegen der anstehenden Weihnachts-Ausgabe nicht mehr begleiten und harrt daher gespannt der Ausstrahlung am 17. Feber 2022.

„Schwebendes Verfahren!“
Wie der ORF lud auch die Plateauzeitung sowohl den amtierenden Vize-Bgm. Markus Wackerle als auch auch Betreiber Loek Beuker zu einer Stellungnahme zur „Am Schaufenster“-Reportage ein. Während sich der Niederländer nicht äußerte, kam vom Bauauschuss (GR Sepp Kneisl) umgehend ein Antwort-Mail.
Hier der Inhalt: „Der Betreiber des geplanten Campingplatzes und Beherbergungsbetriebes im Bereich des bestehenden Camp Alpin ist EU Bürger und wohnt seit einigen Jahren mit Hauptwohnsitz in Seefeld. Sein ursprünglicher Plan, 155 Mobile-Homes zu errichten, wurde von der Seefelder Bürgerliste vehement und erfolgreich bekämpft, da man nicht Gefahr laufen wollte, dass diese zum Verkauf angeboten und Freizeitwohnsitze errichtet werden. Die damalige Gesetzeslage hätte dies jedoch erlaubt. Damit wurden 155 Freizeitwohnsitze verhindert.
Der Betreiber war zu Kompromissen bereit, und es wurde das ehemalige Camping-Areal in zwei Sonderflächen mit Teilwidmungen umgewidmet. Ein Teil wird als klassischer Campingplatz mit 110 Stellplätzen und Nebengebäuden betrieben. Der zweite Teil wurde als Beherbergungsgroßbetrieb mit 485 Betten zur Vermietung an ständig wechselnde Gäste gewidmet. In einem sehr strikten Raumordnungsvertrag werden der Gemeinde Vorkaufsrecht (der Grundbuchhalter informiert die Gemeinde bei Änderung der Eigentumsverhältnisse) und Zugang zu allen Daten wie Nächtigungen, Wasserverbrauch etc. eingeräumt.
Die Umwidmung von ca. 6000m² Wald hätte der Errichtung von dem Verwaltungsgebäude, Shop, Restaurant etc. gedient. Auf ca. 2000m² wäre Bauverbot verhängt worden für Zeltplätze. Als Ersatz bzw. Ausgleichsfläche war eine parkähnliche Landschaft mit Offenlegung des jetzt verrohrten Baches inmitten des Areals geplant. Infolge von Kommunikationsproblemen wurde diese Umwidmung vom Land Tirol versagt.
Nach dem derzeitigen Stand der Dinge wird abgewartet, wie die Entscheidung ausgeht. Die Projektentwicklung liegt beim Betreiber. Höchstwahrscheinlich werden der Beherbergungsgroßbetrieb und der Campingplatz jetzt nur mehr auf dem ursprünglichen Camping-Areal errichtet, mit derselben Bettenanzahl, aber natürlich größeren Gebäuden. Die Genehmigung vom Land dafür hat er bereits.
Für Seefeld als Tourismusort ist die Anlage eine Bereicherung des Angebotes. Nachdem bereits viele Betten in Seefeld nicht mehr vermietet werden, aber eine Infrastruktur für 9000 Betten erhalten werden muss, ist der wirtschaftliche Mehrwert für die Gemeinde nicht zu unterschätzen. Mehrere Unterzeichner einer Petition gegen das Projekt haben sich inzwischen nach eingehender Information der Meinung der Seefelder Bürgerliste angeschlossen.
Mag. Josef Kneisl

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