Start Allgemein Wackerle drohte vier Mal mit Rücktritt

Wackerle drohte vier Mal mit Rücktritt

Gleich viermal drohte Bgm. Markus Wackerle in einer chaotisch geführten Seefelder Gemeinderatssitzung mit Rücktritt. Seine Argumente: „Seefeld hat im Vorjahr 1,2 Mio. Euro mehr ausgegeben als vereinnahmt. Laut Budget droht heuer ein Abgang von 680.000 Euro. Wenn mich nicht der gesamte Gemeinderat beim Sparen unterstützt, werde ich mein Ziel, diese Abwärtsspirale zu stoppen, nicht erreichen. Dann werfe ich lieber das Handtuch!“
Schon der erste Tagesordnungspunkt, Bericht des Bürgermeisters, dauerte mehr als eineinhalb Stunden. Der Ortschef, dem die Debatte um die Golfplatz­öffnung am vorangegangen Wochenende sichtlich gezeichnet hatte, berichtete über einen guten Winter bei den Bergbahnen Rosshütte, die – ohne Skicard-Abrechnung – 8,7 Mio. Umsatz gemacht hatte. Da ein Salzsilo, das man gemeinsam mit der Gemeinde Reith betreibt, Probleme mache, schlug er die Aufstellung eines eigenen Silos beim Reitstall vor. In der Hauptschule gibt es mehrere Sanierungswünsche. Insbesondere die Heizanlage sei defekt und es gingen tausende Liter Warmwasser verloren. Auch die Volksschule braucht eine digitale Aufrüstung. Wegen der ausständigen Bundesgelder für die Nordische Ski-WM schlug er vor, am 31. Mai gemeinsam nach Wien zu einer Kabinettssitzung zu fahren.
Die ernüchternden Zahlen in der Jahresrechnung trug Finanzverwalter Lukas Zorzi vor, der auch den elf neuen Gemeinderäten die Grundzüge der Gemeindebuchhaltung erklärte: „Im Ergebnishaushalt verzeichneten wir einen Abgang von 2,2 Mio Euro, im Finanzierungshaushalt von 1,2 Mio. Der Verschuldungsgrad der Gemeinde liegt bei 72,2 Prozent. Die Schulden betragen knapp 10 Mio. Euro. Dazu kommen Gemeindehaftungen in der Höhe von 53,8 Mio. Euro. Die Zuschüsse zu den Gemeindebetrieben beliefen sich 2021 auf 3,2 Mio. Euro.“
Wie Überprüfungsausschuss­obmann Hannes Norz kritisierte, sei es im Vorjahr zu zahlreichen Budgetüberschreitungen gekommen. Unter anderem wurden bei einer Bushaltestelle bei der Hauptschule ohne Gemeinderatsbeschluss 62.000 Euro ohne budgetäre Abdeckung ausgegeben. Er forderte, dass man künftig über derartige Ausgaben nicht nur im Gemeinderat berichte, sondern diese auch abstimmen solle, damit der Überprüfungsausschuss den Gemeinderäten Auskünfte darüber geben könne, wie sich solche Ausgaben auf den Gesamthaushalt auswirken.
Bgm. Wackerle rechtfertigte sich damit, dass sonst kein Bus mehr die Hauptschule angefahren wäre. Listenkollegin Birgit Weihs-Dopfer: „Der Elternverein hat mehrfach auf diese Gefahrenstelle hingewiesen, da ein Kind unter den Bus rutschte und es nur mit viel Glück zu keiner schweren Verletzung kam.
In Richtung Golfclub teilte der Ortschef kräftig aus: „Ich wurde ein Wochenende lang am Handy und über die sozialen Medien beschimpft. Bauern­tölpl war nur ein geringes der Schimpfwörter, mit denen ich konfrontiert wurde. Sowas lass ich mir nicht bieten und erwarte, dass der Gemeinderat bei der Auseinandersetzung mit den Golfern hinter mir steht!, sonst trete ich zurück!“
Längere Debatten gab es auch wegen der Einführung einer bedarfsorientierten Kinderbetreuungstarifordnung. Zum einen wollte der neue Gemeinderat nur möglichst moderate Anpassungen der seit 20 Jahren unveränderten Tarife vornehmen, zum anderen machten einige Plateaugemeinden Druck auf Seefeld, das bisher die weit niedrigsten Tarife am Plateau einhob.
Im Kindergarten wurde ein Maximaltarif von 155 Euro pro Monat festgelegt, in der Kinderkrippe von 175 Euro. Außerdem argumentierten Kindergartenleiterin Karoline Zorzi und Schülerhort-Leiterin Melanie Kesnar im Gemeinderat für die Erhöhungen, da es ausreichend soziale Abfederungen für Bedürftige gibt. Gemeinsam mit dem Sozialausschuss schlugen sie auch einen Mehrkinderrabatt von 20 Prozent für das zweite Kind und von 30 Prozent ab dem dritten Kind vor. Ohne an Flexibilität zu verlieren, hofft man auf eine bessere Planbarkeit und dass man zusätzliche Kinder in den Einrichtungen unterbringen kann, ohne den Kindergarten aufstocken zu müssen.
Letztlich brauchte dann der Kinderhort einen Geschirrspüler. Als GR Norz darauf aufmerksam machte, dass man einen Gemeinderatsbeschluss und eine budgetäre Bedeckung braucht, kam es wieder zu Emotionsausbrüchen. Die anwesende Daniela Hausdorf-Seidenberger von den Lions spendierte daraufhin das für den Mittagstisch nötige Gerät.

Völlig überzogen!
Neun Monate hatte Markus Wackerle als amtsführender Vizbürgermeister die Seefelder Gemeinderatssitzungen bestens im Griff. Bereits bei der ersten offiziellen Sitzung in dieser Periode wurden mehrere Tagesordnungspunkte mangels Vorbereitung vertagt und unnötig debattiert. Dieses Mal herrschte ein Chaos, wie man es in der Vorperiode nur aus Scharnitz kannte. Zuerst benötigte der Bürgermeister für seinen Bericht mehr als eineinhalb Stunden, dann folgten unvorbereitete Ausschussberichte, die die andere Obleute, die ebenfalls etwas zu sagen hatten, zum Schweigen brachten. Auch die ständige Androhung, dass der Bürgermeister zurücktreten werde, wenn ihm die Gemeinderäte die Unterstützung versagten, führten nur dazu, dass sich die einen in ängstlicher Zurückhaltung übten, während andere nur darauf warteten, wie sie den angezählten Ortschef mit dem nächsten Foul noch tiefer in die Krise stürzen könnten. „Wenn du geschwiegen hättest, wärst du Philosoph geblieben“, heißt ein lateinisches Sprichwort, an das sich der Ortschef – trotz durchaus ehrenwerter Absichten – besser gehalten hätte. Denn seine Rücktrittsdrohungen sitzen jetzt tief und die muss er erst wieder los werden!

Bernhard Rangger

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