Start Allgemein Wackerle: „Muss vom Tempo gehen!“

Wackerle: „Muss vom Tempo gehen!“

Seit Juli 2021 ist Markus Wackerle de facto Bürgermeister von Seefeld. Nach knapp einem Jahr nahm er sich im Mai erstmals eine Auszeit und fuhr 14 Tage in den Urlaub, nachdem er zuvor in einer Gemeinderatssitzung vier Mal mit Rücktritt gedroht hatte. Aus aktuellem Anlass haben wir kurz nach seiner Rückkehr mit ihm das folgende Interview geführt.
PZ: Hat sich ihre Sicht auf das Bürgermeisteramt durch ihre 14-tägige Auszeit verändert?
Wackerle: Ich bin zur Bürgermeisterwahl im Wissen angetreten, dass Seefeld derzeit kein Geld hat. Ich empfinde es also als meinen Job, das Ruder wieder herumzureißen. Aber ich habe die Zeit zur Reflexion auch genutzt, um die Fehler zu erkennen, die passiert sind. Vor der nächsten Gemeinderatssitzung (31. Mai) werden wir eine Informationssitzung abhalten. Außerdem werde ich in der Ausübung meines Amtes Fahrt herausnehmen und nicht gleich alles auf einmal umzusetzen versuchen!
PZ: Ist die Rücktrittsankündigung also vom Tisch?
Wackerle: Ich wurde von 75 Prozent der Seefelder zum Bürgermeister gewählt und fühle mich den Bürgern daher verpflichtet, nicht gleich das Handtuch zu werfen. Das Thema ‚Sparen‘ ist aber ebenfalls ein Auftrag der Bürger. Ich muss also aufzeigen, wo es Einsparmöglichkeiten gibt. Immerhin ist Seefeld bereits mit 72 Prozent verschuldet und die Reise kann nicht mehr in diese Richtung weiter gehen. Bei den Entscheidungen darüber werde ich mich aber nicht mehr soweit hinauslehnen. Ich kann ja im Gemeinderat auch gegen Ausgaben stimmen und meine Einwände zu Protokoll geben. Letztlich entscheidet im Gemeinderat aber eine Mehrheit!
PZ: Was hat sie psychisch in diese Ausnahmesituation gebracht?
Wackerle: Nach dem kurzen aber heftigen Wahlkampf fachten gleich mehrere Themen auf. Wir haben bei den WM-Sportanlagen viele teure Stadien wie Sprungschanzen, Eislaufplätze, Fußballplätze und müssen da einfach sparen. Beim Golfplatz flammte diese Debatte gleich besonders hitzig auf. Dabei ging es nur um fünf Tage, die wir später aufmachen wollten. Wenn ich als Bürgermeister ‚Ja‘ zur Öffnung gesagt hätte, ‚ich komme auf ein Glas Sekt vorbei‘, wär ich der Gute gewesen. Die Geschäftsführerin und ich haben aber anders entschieden und ich verstehe bis heute den ganzen Wirbel nicht, denn als Unternehmer bin ich einfach gewohnt, Entscheidungen zu treffen. In Zukunft werde ich sowas der Politik, also dem Gemeinderat, übertragen. Dann werden wir nicht umhin kommen, bei solchen Entscheidungen zusammenzuhalten!
PZ: Danke für das interessante Gespräch!

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