Start Allgemein Ganz Seefeld ist gegen die Badschließung

Ganz Seefeld ist gegen die Badschließung

Die Schließung des Olympiabades ist für die Seefelder offenbar kein Verhandlungsthema: Fast 350 Bürger füllten kürzlich bei der Gemeindeversammlung den aus allen Nähten platzenden Saal Olympia im Sport- und Kongresszentrum und stellten sich in einer dreieinhalbstündigen Debatte gegen das Vorhaben der Gemeindeführung .
Zehn Gemeinderäte hatten sich gemeinsam mit dem für Gemeindefinanzen zuständigen Referenten des Landes Tirol, Magnus Gratl, den Fragen der Anwesenden gestellt. Am Ende gingen fast alle mit einer vorsichtig positiven Stimmung auseinander: VBgm. Andreas Steiner verkündete nämlich, dass man zwar aus budgetären Gründen angehalten sei, das Wasser im Seefelder Bad auszulassen. Welche endgültigen Entscheidungen aber getroffen werden, hänge von den weiteren Gesprächen mit Fachleuten, Tourismusverband, Land und den Inputs der Bürger ab.
Dass beim außergewöhnlich gut besuchten Treffen weder die ausstehenden 3,1 Mio. Bundesmillionen für die Nordische WM noch die Bürgermeisterneuwahl zur Sprache kamen, war wohl der Tatsache geschuldet, dass die BH noch keinen Termin für den Urnengang und der Gemeinderat für das Zusperren der Wasserfläche im Seefelder Schwimmbades verkündet hatten.
Gleich nach Begrüßung durch GR Philip Mauser gab der amtsführende Vizebürgermeister Andreas Steiner einen Überblick über die derzeitige Finanzlage der Gemeinde Seefeld: „Im Haushaltsjahr haben wir 17,6 Mio. Euro eingenommen und 15,8 Mio. Euro ausgegeben. Ohne Gemeindebetriebe ergibt das ein Plus von 1,8 Mio. Euro. Zählt man aber den Abgang der Sportanlagen in der Höhe von 3,5 Mio. Euro dazu, verzeichnen wir laufend zwei Mio. Euro minus – auch in den Folgejahren. Dieses Loch müssen wir schließen, da wir von der Aufsichtsbehörde angehalten sind, ausgeglichen zu budgetieren. Zusätzlich gibt es in der Gemeinde einen Investitionsstau, wenn man an das Freibad bei der Strandperle, das Dach der WM-Tennishalle, von Friedhof und Pavillon sowie die vielen laufenden Investitionen in die Gemeindeinfrastruktur denkt!“
Magnus Gratl vom Büro des Landeshauptmanns: „Das Land zwingt zwar Seefeld nicht, das Schwimmbad zu schließen. Wir pochen aber auf Sparsamkeit, da Seefeld auf Grund der angespannten Finanzlage keine Kredite mehr aufnehmen darf. Auch andere Tiroler Bäder sind wegen veralteter Badtechnik sowie der gestiegenen Zins-, Energie- und Personalkosten in eine Schieflage geraten, die das Land nicht einfach ausgleichen kann. Wir erarbeiten bis Mitte 2023 eine Bäderstudie, können aber nicht die Abgänge aller Schwimmbäder decken.“
TVB-GF Elias Walser machte bereits eingangs der Diskussion klar, dass die Schließung nicht im Sinne des Tourismusverbandes sei, da es direkt zu einem Rückgang von Nächtigenden kommen werde: „Trotzdem sind wir dem Tiroler Tourismusgesetz verpflichtet und können nicht Abgänge von Gemeindebetrieben finanzieren!“
Die Debatte dreht sich daher gleich um eine Erhöhung der Kurtaxe. Walter Lohmann: „Der Schuldendienst für das Schwimmbad ändert sich nicht, wenn es zugesperrt wird. Man kann damit also nicht einmal eine Million Abgang einsparen. Eine Erhöhung der Kurtaxe um 50 Cent würde fast eine halbe Mio. Euro Einnahmen bringen. Ihr müsst bedenken, dass es sich um eines der schönsten Schwimmbäder Österreichs handelt!“ Auch Nicht-Seefelder Schwimmbadbesucher kamen zu Wort, die auf die regionale Bedeutung des Bades aufmerksam machten. Seefelder Kaufleute, Hoteliers und Bank-Direktoren regten an, die Umwegrentabilität in die Gemeindeentscheidung miteinzurechnen, das Land bei den Stromkosten in die Pflicht zu nehmen, die Gewinne anderer Gemeindebetriebe zur Budgetsanierung heranzuziehen und an der Preisschraube bei den Eintritten zu drehen. Jede Menge Einsparungsvorschläge wurden gemacht, insbesondere für den Bereich der Vermarktung von Congressen und das Controlling. Auch Bürgerbeteiligung und Fundraising wurden angeregt.
Bgm. Jorgo Chrysochoidis aus Leutasch erklärte, dass er eine zweckgebundene Erhöhung der Kurtaxe ausschließlich für das Seefelder Bad ablehnen werde. Das Leutascher Bad ist bis 2028 nahezu schuldenfrei. Um die Einnahmen zu stärken, habe man unattraktive Öffnungszeiten an den Schwimmnachwuchs in umliegenden Gemeinden verkauft und diese vom Land subventioniern lassen. Auch eine riesige Photovoltaik und eine Hackschnitzelheizung senken die laufenden Kosten.
VBgm. Andreas Steiner bedankte sich am Ende der erstaunlich sachlichen Debatte: „Wir haben viele Anregungen mitgenommen und befinden uns am Anfang einer Debatte, die spätestens in der Zwischensaison-Pause nach der Schließung im März zu Ergebnissen führen muss. Sonst müssen wir uns auf die eigentlichen Gemeindeaufgaben konzentrieren, und dazu zählt eben nicht das Bad!“ Magnus Gratl: „Ich habe wahrgenommen, dass viele in Seefeld etwas tun wollen. Jetzt müssen Taten folgen, dann wird sich das Land sicher nicht gegen eine Schwimmbadrettung stellen!“ Auch GF Walser kündigte ein Fortführen der Diskussion bei der nächsten Aufsichtsratssitzung an: „Wir können das Problem nur mit der Gemeinde und der Bevölkerung gemeinsam lösen, und dazu sind wir gerne bereit!“

Argumente der Bürger
Helmut Isser: Wenn man das Schwimmbad schließt, droht ein massives Bettensterben. Seefeld war früher in Tirol die Tourismushochburg Nummer drei und darf nicht aus den Top Ten rutschen.
Romy Kirchmair: Die WM wurde veranstaltet, um Gäste nach Seefeld zu bringen. Jetzt tut man das Gegenteil und vertreibt Gäste. Man könnte doch auch Außenbecken und Rutschen schließen.
Elisabeth Spiegel: Seefeld ohne Schwimmbad ist ein No go! Sobald das Schwimmbad zu ist, wird es zu einer ‚Gstätten‘ wie das Hotel Schneeweiß!
Peter Seyrling: Seefeld wird immer teurer und bietet immer weniger. Wegen der Schließung in Axams und Ehrwald müssen wir das Marketing ändern und mehr Einheimische in den schwachen Besucherzeiten ins Schwimmbad holen. Auch bei der Technik gäbe es viele Einsparmöglichkeiten.
Martin Tauber: In Seefeld gibt es so viele erfolgreiche Geschäftsleute, die der Gemeinderat mobilisieren könnte. Allein durch dieses Potential könnte man aus der Schieflage herauskommen.
Reinhard Haslwanter: „Ich schlage 50 Cent mehr Kurtaxe für die Schwimmbadrettung vor. Die restlichen Abgänge kann man mit Einsparungen decken.
Alexander Eder: Offenbar hat der Gemeinderat in einer Art Ho-Ruck-Aktion in einem Ausschuss ohne juridische Gültigkeit die Schließung beschlossen. Mit konzeptlosem Sparen schafft man aber nur ein zweites Playcastle.
Dir. Horst Mayer: Zuletzt wurde der Name Seefeld durch Negativmeldungen wie einer möglichen Schließung der Rosshütte arg beschädigt. Noch nicht angedacht wurden Quersubventionen zwischen den Gemeindebetrieben.
Gerd Mangelsdorf: Für mich ist die Schwimmbadschließung durch den Gemeinderat ein Hilfeschrei. Seefeld ist eine Marke, die man europaweit kennt. Diese hängt auch stark mit dem tollen von Architekt Michael Prachensky geschaffenen Schwimmbad zusammen und es gäbe daher genug Ideen von Werbestrategen zu entwickeln, wie man damit wieder mehr Gäste nach Seefeld bekommt und damit auch mehr Geld für die Gemeinde lukriert.
Melanie Haslwanter: Bevor man das Schwimmbad sperrt, sollte man eine Art Fundraising betreiben und Mittel im Dorf und bei Einheimischen und Besuchern von auswärts auftreiben.
Patrick Klotz: Wie steht es um die Eislaufsaison? Die Meldungen darüber sind konträr. Scheinbar sperrt er auf, jetzt soll aber wieder eine Eismaschine kaputt geworden sein,
VBgm. Andreas Steiner: Wir haben mit dem TVB vereinbart, dass der Eislaufplatz offen bleibt, Gestern ist leider ein Kühlgerät implodiert, das nicht repariert werden konnte. Wir suchen daher nach einer Lösung.

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